Unsere grosse Reise

Mein Bild
Switzerland
Jacqueline wurde im vergangenen Jahr 40 Jahre alt und Dani konnte den selben Geburtstag dieses Jahr feiern. Wir beide sind seit 10 Jahren verheiratet und kennen uns seit über 20 Jahren. Für uns liefern bereits schon diese Fakten genug Gründe, um ein neues grosses "Midlife"-Abenteuer in Angriff zu nehmen. Das ganze geschmackvoll angereichert mit unserem chronischen Fernweh ergibt nun im Endergebnis eine Reise, von welcher wir noch nicht genau wissen, wohin sie uns im Detail führt, wie lange sie dauert und was genau auf uns zukommen wird. Mit diesem Blog möchten wir euch ein bisschen Anteil an unserem Trip haben lassen und euch aus unserer Optik berichten, was wir in der grossen weiten Welt erleben und was gerade so abläuft. Wir danken euch schon heute für eurer Interesse und wünschen euch viel Spass im Seitenwagen von Jack Daniels.
"Der Gewinn eines langen Aufenthaltes ausserhalb unseres Landes liegt vielleicht weniger in dem, was wir über fremde Länder erfahren, sondern in dem, was wir dabei über uns selbst lernen."

Roger Peyrefitte (*1907), frz. Schriftsteller und Politiker

Mittwoch, 16. März 2011

Australien - unterwegs

Bereits sind wir 10 Tage "on the road" und erkunden momentan den südlichen Teil von Westaustralien. Bevor es aber überhaupt losgehen konnte, mussten wir zuerst das "Heim" einrichten, welches in den kommenden 60 Tagen unser zu Hause sein wird. Dazu gehörte auch ein ausgiebiger Einkauf in einem grossen Supermarkt.

Was wir in dieser kurzen Zeit bereits von Australien gesehen haben, ist schon absolut grossartig. Da sind auf der einen Seite fast unendlich lange Strassen ohne jegliche Zivilisation, nur zwischendurch mal irgendwo ein Roadhouse in "the middle of nowhere". Andererseits faszinieren merkwürdige, von Natur geschaffene Formationen wie zum Beispiel der Wave Rock (Wellenfels), welcher seine Form vor ca. 60 Mio. Jahren durch Verwitterung und Wassererosion erhalten hat. Surfen auf dieser Welle war zwar schwierig, aber wir haben es trotzdem versucht. Fährt man dann weiter ans Meer, erwarten einem schneeweise und gottverlassene Strände mit türkisfarbenem und kristallklarem Wasser. Alles scheint wie aus einer "Bacardi"-Werbung zu sein, wir haben solche Strandabschnitte bisher nur aus der Südsee gekannt. Dann wieder rauhe Küstenabschnitte mit gigantischen Felsen, welche sich senkrecht ins tiefblaue Meer senken. Wieder weiter landeinwärts tauchen auf einmal ausgetrocknete Salzseen auf und immer wieder...Nichts! Die Ruhe und Abgeschiedenheit in dieser Region ist für einen Europäer kaum fassbar, das gibt es bei uns (wenn überhaupt) nur noch ganz selten. Und wenn wir dann in der Nacht mal aus unserem Camper raus müssen (leider hat unser Budget nicht für die Bord-Toilette gereicht), glitzert am Himmelszelt ein Lichtermeer aus Millionen von Sternen. Ganz im Zentrum strahlt majestätisch das Kreuz des Südens, welches früher den Pionieren und Seefahrern den Weg Richtung Süden gewiesen hat. Für uns beide symbolisiert das Southern Cross auch ein bisschen Abenteuer und Aufbruch, wir nehmen es gerne als unseren Begleiter mit auf die Reise.

Bei all diesen Eindrücken treten für uns die Ereignisse, welche auf der Welt momentan passieren, weit in den Hintergrund. Aufgrund unserer medialen Abstinenz bekommen wir sie sowieso auch nur ganz am Rand mit. So konzentrieren wir uns auf unserern vorgegebenen Pfad, und der ist ja noch sooooo lang. Irgendwann Anfangs Mai werden wir mit 8'000 Kilometern auf dem Tacho das Top End in Darwin erreichen. Wir hoffen, dass alle Kangaroos immer schön am Strassenrand stehen bleiben, wenn Balmers vorbeifahren und wünschen uns natürlich alles andere als überflutete Highways.

Gerade wegen unserer Abgeschiedenheit im Outback werden die Blog-Einträge in nächster Zeit nicht mehr so regelmässig erscheinen. Vielleicht schmückt ja zwischenzeitlich der eine oder andere Gästebucheintrag oder Kommentar unsere Seite:-)


unser zu Hause für zwei Monate


surfen auf Fels, das soll's in Australien geben

Natur pur - ohne Worte!

"üs geits guet z'Auschtralie"

fast wie im Aquarium, hier sieht jeder Strand so aus

ein ausgetrockneter Salzsee im Outback

Freitag, 4. März 2011

Australien - Sydney

Einmal mehr mussten wir Abschied nehmen, diesmal von Buenos Aires, von Argentinien und von Südamerika - ein bisschen viel auf einmal und darum haben wir alles zusammen gebührend mit einer guten Flasche Wein getan. So konnte die Reise also getrost weiter nach Australien gehen. Allerdings kam am Flughafen in Buenos Aires zuerst noch einmal ein bisschen Hektik auf. Die Dame am Check-in Schalter machte uns freundlich darauf aufmerksam, dass wir kein Visum für Australien haben und demzufolge nicht in die Maschine steigen können. Aufgrund eines Missverständnisses mit Qantas Schweiz schien dem tatsächlich so zu sein, was uns in eine ziemlich missliche Lage brachte. Dem guten roten Schweizerpass sei dank, dass wir dann doch noch kurzfristig ein Visum beantragen konnten und sie uns ins Flugzeug gelassen haben - das war knapp. Dafür wurden wir mit einem wunderbaren Flug über die Antarktis belohnt, bei welchem wir unzählige herumschwimmende Eisberge sichten konnten.

So sind wir schliesslich gut und glücklich in der Australischen Metropole Sydney angekommen und haben ein (ziemlich) einfaches Zimmer in einer Jugendherberge bezogen. In den ersten Tagen standen mehrere ausgedehnte Stadtspaziergänge auf dem Programm und dann durften wir auch noch unsere postlagernden Päckchen abholen (siehe Eintrag vom 17.10.2010). Erfreulicherweise haben doch tatsächlich auch noch ein paar andere Personen an uns gedacht. Besten Dank all jenen, wir haben uns riesig über eure Post gefreut. Leider scheinen auch ein paar Sendungen verloren gegangen zu sein, im Zeitalter von E-Mail und Internet fast logisch, nicht? Selbstverständlich waren wir auch beim Opera House und so mussten wir doch tatsächlich jetzt dreimal nach Sydney kommen, um endlich mal ein Ticket für ein Konzert ergattern zu können. Heute Abend werden wir unsere besten Kleider aus dem Tramperrucksack holen und uns im grossen Konzertsaal das Sydney Symphony Orchestra unter der Leitung von Vladimir Ashkenazy anhören. Gespielt wird ein Klavierkonzert von Franz Liszt und als Krönung die 6. Symphonie von Gustav Mahler.

Übermorgen fliegen wir dann weiter nach Perth in Westaustralien, wo wir endlich unser langersehntes Wohnmobil(chen) in Empfang nehmen werden. Während zwei Monaten wollen wir ganz nach oben bis nach Darwin reisen. Aus diesem Grund kann es gut sein, dass während der nächsten Zeit die Einträge im Blog nicht mehr so regelmässig erscheinen werden. In dieser doch eher dünnbesiedelten Gegend wird wohl nicht gerade an jeder Ecke ein Internet zur Verfügung stehen. Mal sehen, wir geben unser Bestes!

Über der Antarktis schwimmen riesige Eisschollen


Sydney - zweifelsohne eine der schönsten Städte der Welt


Fast wie an Weihnachten - Empfang der Päckchen am Postlagernd-Schalter


Grosses Konzert im Sydney Opera House

Sonntag, 20. Februar 2011

Argentinien - Unser Häuschen

Seit zehn Tagen geniessen wir unsere "Ferien" in Bariloche. Der ganze Patagonientrip war doch ziemlich anstrengend und so haben wir uns nach der langen Reiserei eine kleine Auszeit genommen. Die Umgebung von Bariloche gefällt garantiert jedem Schweizer, keine Frage. Der Ort liegt mitten in einem Nationalpark, welcher durch kristallklare Bergseen, schöne Berggipfel, romatische Föhrenwälder und äusserst gemütliche Holzhäuser besticht, ja es ist fast wie im Engadin. Wir haben uns hier eine kleine Cabaña gemietet und geniessen es, mal wieder irgendwo etwas sesshaft sein zu können. Für Dani ist das Ganze umso paradiesischer, als dass er eine (mehr oder weniger) gut ausgerüstete Küche zum rumbrutzeln vorfindet. So erfüllt er Jacqueline fast jeden kulinarischen Wunsch. Dabei ist aber hie und da auch etwas Improvisation nötig. So wurde beispielsweise der selbstgemachte Pizzateig mit einer Weinflasche ausgewallt oder der Sonntagszopf so Handgelenk mal Phi gebacken (wir haben nur einen Gasofen mit Unterhitze und keine Temperaturanzeige). Wie man aus den Bildern und den strahlenden Gesichtern aber entnehmen kann, war alles vorzüglich und äusserst köstlich.

Übermorgen fahren wir das letzte Mal in Argentinien Bus und zwar mit einem 1st-Class Car in 22 Stunden nach Buenos Aires. Wir freuen uns riesig auf diese Fahrt, wir haben es schon mal angetönt, busfahren in Argentinien ist wirklich etwas ganz besonderes. Nachher dann noch einmal fünf Tage Buenos Aires geniessen und ab mit dem Flugi über den Pazifischen Ozean und über die Datumsgrenze nach Sydney, wir freuen uns wie kleine Kinder auf Weihnachten.

Vier Monate Südamerika sind nun vorüber. Wir haben hier viel erlebt, interessante Leute kennengelernt, Naturkatastrophen beigewohnt, bezaubernde Landschaften gesehen, in manch lustiger Unterkunft logiert, alle möglichen Reisemittel beansprucht und, und, und....Es war eine ganz tolle Zeit! Wir werden viel an diesen Kontinent zurückdenken und irgendwann kommen wir bestimmt mal wieder, da sind wir uns sicher.

Also, das war's aus Südamerika, wir melden uns demnächst aus Down Under!


Unser Heimetli unter dem Zwetschgenbaum

Hochbetrieb in der "Pizzeria da Daniele"


Der gute alte Schweizer Sonntagszopf

...und das alles in atemberaubender Umgebung

Samstag, 12. Februar 2011

Argentinien - Die Gletscher

Auch dieses Mal gibt es wieder so einiges zu berichten. So haben wir uns zum Beispiel von El Calafate mit dem Bus zum Perito Moreno Gletscher begeben. Der Perito Moreno ist wahrlich das grosse Aushängeschild von Patagonien und diese Eismassen muss man einfach gesehen haben. Die Busreise zum Gletscher war dann aber wieder einmal, ja wie sollen wir es nennen, lustig. Auf halben Weg lief gar nichts mehr, scheinbar war irgend etwas kaputt. Der Chauffeur öffnete die Motorenhaube und vertiefte sich in das Innere des Aggregats. Interessanterweise winkte er alle Fahrzeuge durch, welche ihm behilflich sein wollten. Im Nachhinein wussten wir dann schon wieso. Der gute Mann hatte vergessen zu tanken, das Benzin ist ihm schlichtweg ausgegangen. Nach einer Stunde brachte jemand Nachschub, und weiter ging die Fahrt. Hinten beim Gletscher wurden wir dann für all diese Unannehmlichkeiten belohnt. Der Anblick des Perito Moreno ist schon sehr faszinierend, solch ein Gletscher bekommt man nicht alle Tage vor die Linse. Vorallem die verschiedenen Lichteinstrahlungen verliehen dem Gletscher immer wieder neue Farbfacetten; dass war schon ziemlich der Hammer.

Anschliessend verbrachten wir vier Tage mit Wandern im Parque Nacional los Glaciares. Das Wetter war einsame Spitzenklasse und für Patagonien überhaupt nicht selbstverständlich. Eigentlich wussten wir gar nicht genau, wie wir das verdient hatten. Einzig der Wind blies so richtig böhenartig, ein Phänomen, welches uns in ganz Patagonien begleitet hatte. Die bizarren Berggipfel rund um den Cerro Fitz Roy sowie all die üppigen Gletscher boten uns einmal mehr einen faszinierenden Anblick. Als eingefleischte Wanderfreaks haben wir die Zeit auf diesen Pfaden so richtig ausgiebig genossen. Leider hiess es dann nach rund zwei Wochen in Patagonien Abschied zu nehmen von dieser wunderbaren Region, unsere Reise ging weiter.

Wir wollten Richtung Norden fahren und zwar während zwei Tagen auf der berühmten Ruta 40. Diese Strasse führt in rund 1'500 Kilometer von El Calafate nach Bariloche. Es handelt sich bei diesem "Highway" wahrlich um ein Mythos. Viele Teile der Strasse sind unbefestigt, also Piste. Häuser gibt es so gut wie keine, vielleicht zwischendurch mal eine Estancia (Farm). Auf dem ganzen Abschnitt bieten einzig drei Tankstellen ihren Service an, also immer schön Benzin einfüllen, sonst wird es ungemütlich. Auf der Ruta 40 fährt man wohl durch eine der verlassensten Gegenden auf der ganzen Welt. Leider sind die Argentinier nun fleissig dran, die ganze Strasse zu asphaltieren. Natürlich dauert dann die Reise um ein vielfaches weniger lang und wird bestimmt auch weniger strapaziös. Wir glauben aber, dass dann auch viel von der Einzigartigkeit dieser Strecke verloren geht. So sind wir nicht unglücklich, dass wir die Fahrt noch auf der Originalstrecke zurücklegen konnten. Aber eben, wie es so ist, haben wir auch diesmal etwas Pech mit der Busgesellschaft gehabt. Wir hatten einen Bus mit Klimaanlage gewählt, was heisst, dass man die Fenster nicht öffnen kann. Wir waren natürlich froh, denn draussen war es mindestens 35 Grad. Und dann...ja richtig, ihr habt es erraten, funktionierte in diesem Bus leider die Klimaanlage gerade nicht. Zwei Tage Schotterpiste, brütende Hitze, kein Luftzug, Staub bis zum Abwinken, stickige Luft - es war wahrlich der ultimative Roadtrip!



Die guten Gauchos fahren einfach ohne Benzin los - viva Argentina!

Der Perito Moreno Gletscher ist wahrscheinlich das berühmteste Eisfeld der Welt

...und das hier ist wohl der berühmteste Argentinier - der Cerro Fitz Roy

Mittagsverpflegung am Fitz Roy - es hat gewindet und war saukalt!

Strassenlegende und Mythos - die Ruta 40

Mittwoch, 2. Februar 2011

Chile - Torres del Paine

Ende letzter Woche haben wir unsere Rucksäcke gepackt und sind für vier Tage in den Nationalpark Torres del Paine in Chile gereist. Man sollte ja nicht so leichtfertig mit Superlativen um sich schlagen, dieser Nationalpark war aber schlichtweg grandios. Wir haben jeweils achtstündige Wanderungen unternommen und sind von Refugio (ähnlich wie bei uns die SAC-Hütten) zu Refugio gelaufen. Vorallem die Vielseitigkeit auf diesem kleinen Raum ist atemberaubend. Auf der einen Talseite donnert ein Gletscherabbruch ins Tal, etwas weiter unten spiegelt sich die Sonne in einer türkisfarbenen Lagune, am Abend glühen die Berge vor lauter Sonnenuntergang in roter Farbe, am anderen Tag ein weiteres verlassenes Tal und immer wieder ein Gletscher. Die Schweiz müsste schon mit den besten Natursehenswürdigkeiten auffahren, um dieser Landschaft einigermassen die Stirn zu bieten. Am Abend haben wir jeweils im Massenlager übernachtet und dabei immer wieder Leute aus der ganzen Welt angetroffen. Am jeweils darauffolgenden Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück wurden die Wanderschuhe erneut geschnallt und weiter ging es auf dem Pfad gleich vor der Hütte. Nach vier Tagen und rund 90 Kilometer in den Beinen sind wir dann schliesslich am Ziel angelangt - die Torres del Paine. Drei grosse Felsformationen, welche wie majestätische Türme über einer Berglagune thronen - das Bild war schon ziemlich überwältigend, wir haben lange vor dieser einzigartigen Kulisse verweilt. Für uns war diese Mehrtageswanderung ein absolutes Highlight auf unserer Reise und wir haben uns fest vorgenommen, in der Schweiz ebenfalls öfters Wanderungen von Hütte zu Hütte zu unternehmen, es war auch in diesem Sinne eine Bereicherung für uns.



Abendstimmung in den Bergen





Einfach, aber zweckmässig - das Massenlager in einem Refugio


Nach vier Tagen am Ziel angelangt - die Torres del Paine


Ein verlassener Bilderbuchstrand an einer türkisfarbenen Lagune


Mittwoch, 26. Januar 2011

Argentinien - Richtung Patagonien

Seit unserem letzten Beitrag befinden wir uns nun mehrere tausend Kilometer südlicher, genauer gesagt in Río Gallegos. Dieser Ort liegt 52 Grad Süd, was in der nördlichen Hemisphere etwa Berlin entsprechen würde. Aber nun mal alles der Reihe nach.

Der Abschied in Quito von Claus und seiner Crew fiel uns ganz schwer. Wir haben uns dort wirklich wohl gefühlt und wenn wir den Weiterflug nicht schon definitv gebucht hätten, wären wir vielleicht noch lange dort oben geblieben. Unsere Flugroute führte uns von Quito nach Santiago de Chile, von wo aus wir dann über die Andenkette weiter nach Buenos Aires geflogen sind. Wir hatten wunderbares Wetter und die Berge waren fast zum Anfassen nah, wirklich eindrucksvoll.

In Buenos Aires haben wir uns dann während drei Tagen etwas an Argentinien anklimatisiert. Es ist und bleibt unsere Lieblingsstadt. Buenos Aires zeichnet sich dadurch aus, dass die Metropole eigentlich aus mehreren Städten besteht. Die Vielfahlt ist absolut einzigartig und durch den von den Europäern geprägten Einfluss lässt es sich dort wirklich sehr gut leben. Buenos Aires ist ein Mix aus Paris, Barcelona, Berlin und New York - alles angereichert mit einer Prise Südländischem, was wir von Italien oder Spanien her kennen. Leider liegt diese Stadt nicht gerade vor unserer Haustüre, trotzdem würden wir sie jedem für einen (längeren) Besuch empfehlen. Wir freuen uns schon heute, dass wir am Ende von Südamerika noch einmal fünf Tage dort verbringen werden.

Nach Buenos Aires sind wir in 20 Stunden durch die Pampas weiter nach Puerto Madryn gefahren. Bei den Pampas handelt es sich um eine flache Halbwüste mit lauter Steppengras. Die Landschaft war sehr speziell und wir erlebten während der Fahrt einen wunderschönen Sonnenuntergang sowie am anderen Morgen einen bezaubernden Sonnenaufgang. Die Reisezeit mag den einen oder anderen vielleicht etwas irritieren. Busreisen in Argentinien ist aber absolut Kult. Man hat grosse Liegesitze, welche mit jenen in der First Class im Flugzeug zu vergleichen sind. Alle zwei bis drei Stunden gibt es etwas zu futtern (inklusive warmer Mahlzeiten), per DVD kommen die neuesten Hollywoodstreifen und zwischendurch spielen alle Passagiere Bingo um eine Flasche Wein. So vergeht die Zeit im Schnellzugstempo und man ist dann fast etwas traurig, wenn die Fahrt vorüber ist.

In Puerto Madryn haben wir das Naturreservat Península Valdés besucht. Diese, ebenfalls von Steppenlandschaft geprägte Halbinsel beheimatet viele verschiedene Tierarten. So machten wir unter anderem Bekanntschaft mit Guanacos (eine Kamelart, ähnlich wie ein Lama), Gürteltieren, Seelöwen und -elephanten, Magellanpinguinen und als Krönung zwei Orcas (Killerwale).

Gestern sind wir dann wiederum in 20 Stunden nach Río Gallegos weitergereist und sind jetzt nun ziemlich am südlichen Ende von Südamerika angelangt. Einzig die Magellanstrasse trennt uns jetzt noch von Feuerland. Die Tage hier im Südsommer sind lang, die Sonne geht erst um 21.30 Uhr unter. Wir machen hier in Río Gallegos allerdings nur einen kurzen Zwischenstopp, denn ab morgen ist Wandern angesagt. Wir fahren in die berühmten Nationalparks Patagoniens und werden als erstes nach Puerto Natales (welches in Chile liegt) fahren. Wir sind gespannt, was uns dort erwartet und hoffen, dass es der Wettergott einigermassen gut mit uns meint. 


Der Flug über die Anden war ein einzigartiges Erlebnis

In den Strassen von Buenos Aires regiert der Tango

Eine Pinguinfamilie geniesst das schöne Sonntagswetter auf der Península Valdés


...und da trieben sich auch noch zwei andere Vögel rum


Sonntag, 16. Januar 2011

Ecuador - Abschied vom Norden

Vorgestern, exakt um 14.25 Uhr haben wir etwa 25 Kilometer nördlich von Ecuadors Hauptstadt Quito den Äquator überquert. Ab jetzt sind wir bis zum Ende unserer Reise nur noch auf der südlichen Erdhalbkugel unterwegs. Vorher haben wir aber in Kolumbien noch zwei interessante Sachen besucht. Da war auf der einen Seite die Laguna de la Cocha. An den Gestaden dieses Kratersees findet man ein Dörfchen, welches jedes Schweizerherz etwas höher schlagen lässt. Man trifft auf lauter, im Chaletstil gebaute Häuschen, welche den so typischen Schweizerbalkon angebaut haben. Wir haben keine Ahnung, wieso die Leute dort diesen Baustil gewählt haben und irgendwie kam es uns auch etwas seltsam vor. Als dann noch jedes Restaurant Forellen auf jede nur erdenkliche Art verkaufte, mussten wir schon schnell mal studieren, wo wir jetzt eigentlich genau sind.

Kurz vor der Grenze haben wir schliesslich noch einen Abstecher zur Santuario de las Lajas unternommen. Diese Kirche wurde mitten in einer Schlucht auf eine Steinbrücke gebaut. Der Legende nach soll dort einer behinderten Frau die Jungfrau Maria erschienen sein, welche sie von ihrer Krankheit geheilt hat. Dieser sakrale Ort strahlt viel Ruhe und Geborgenheit aus und auf tausenden von Schildern haben Pilger den an ihnen vollbrachten Wunder gedacht. Auch wir haben ein paar Stunden dort verbracht, um ein bisschen inne zu halten und dankbar zu sein, dass unsere Reise bis jetzt so reibungslos verlaufen ist.

Der Grenzübertritt nach Ecuador war dann wiederum reine Formsache, ja der Taxichauffeur hat uns sogar direkt auf die andere Seite geführt, ohne dass wir weder Ausreisestempel noch Einreisestempel erhielten. Als pflichtbewusste Schweizer haben wir dann kurzerhand noch einmal kehrt gemacht und sind über die Brücke zurück nach Kolumiben gelaufen. Anschliessend haben wir das Ganze hochoffiziell gemacht, den schliesslich wollten wir auch die beiden Stempel als Andenken in unsere Reisepässe.

Jetzt sind wir bereits schon wieder in Quito, hier wo vor viereinhalb Jahren unsere erste Weltreise begann. Irgendwie scheint es uns eine Ewigkeit her, und doch war es fast wie Gestern, als wir im Casa Helbling bei Claus angekommen sind. Einmal mehr haben wir auch hier in dieser wunderbar für Backpacker eingerichteten Hostal sehr interessante Leute kennengelernt. Sei es die deutsche Frau, welche schon seit Jahren im Goethe-Institut in La Paz/Bolivien arbeitet, der slovakische Bergsteiger, welcher den Cotopaxi (5'897 M.ü.M) und den Chimborazo (6'267 M.ü.M) bestiegen hat oder auch Wolfgang, welcher mir seinem Motorfahrrad von Santiago de Chile bis hinauf nach Quito gefahren ist. Nun geniessen wir die letzten Tage in dem von Simon Bolivar so sehr gewünschten Grosskolumbien (Venezuela, Kolumbien, Ecuador) und fliegen morgen Montag spät Abends weiter nach Buenos Aires. Wir freuen uns auf Tango, Rindsfleisch, Rotwein und die Gletscher und Gipfel in Patagonien.

Buenos Días Argentina!

Irgendewie schräg - Schweizerbalkone in Kolumbien


Ein ganz mystischer Ort - Santuario de las Lajas

An der Grenze zu Ecuador - die einen gehen, die anderen kommen