Unsere grosse Reise

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Switzerland
Jacqueline wurde im vergangenen Jahr 40 Jahre alt und Dani konnte den selben Geburtstag dieses Jahr feiern. Wir beide sind seit 10 Jahren verheiratet und kennen uns seit über 20 Jahren. Für uns liefern bereits schon diese Fakten genug Gründe, um ein neues grosses "Midlife"-Abenteuer in Angriff zu nehmen. Das ganze geschmackvoll angereichert mit unserem chronischen Fernweh ergibt nun im Endergebnis eine Reise, von welcher wir noch nicht genau wissen, wohin sie uns im Detail führt, wie lange sie dauert und was genau auf uns zukommen wird. Mit diesem Blog möchten wir euch ein bisschen Anteil an unserem Trip haben lassen und euch aus unserer Optik berichten, was wir in der grossen weiten Welt erleben und was gerade so abläuft. Wir danken euch schon heute für eurer Interesse und wünschen euch viel Spass im Seitenwagen von Jack Daniels.
"Der Gewinn eines langen Aufenthaltes ausserhalb unseres Landes liegt vielleicht weniger in dem, was wir über fremde Länder erfahren, sondern in dem, was wir dabei über uns selbst lernen."

Roger Peyrefitte (*1907), frz. Schriftsteller und Politiker

Freitag, 15. Juli 2011

Südafrika - Eindrücke

Wie es bei uns halt so ist, waren wir von den Bergen wieder einmal nicht weg zu kriegen. Tolle acht Tage haben wir im malerischen Bergdörfchen Clarens verbracht, welches idyllisch inmitten der Maluti Mountains und dem Golden Gate Nationalpark liegt. Unweit dieser Szenerie wird jeden Abend ein eigenartig dramatisches Schauspiel aufgeführt. Kurz bevor die Dunkelheit die letzten Farbflecken am Himmel ausradiert hat, passiert hier etwas ganz Magisches. Die zerklüfteten Sandsteinformationen der kastanienbraunen Berge leuchten noch einmal golden im schwächer werdenden Abendlicht. Zitronengelbe Sonnenstrahlen umreissen die Silhouette der Hügelzüge, bevor der Himmel in einem Feuerwerk aus Violett- und Rottönen explodiert. Wow! Diese Inszenierung ist unglaublich - und dies alles ohne technische Hilfsmittel, ein wahres Wunder der Natur.

Wenn man von Südafrika berichtet, kommt man nicht drum herum, nebst all dem Schönen auch die Schattenseiten zu skizzieren. Viele Leute leben in einfachsten Verhältnissen, zahlreiche unter der Armutsgrenze. Die Analphabetenrate auf dem Land ist enorm hoch und Südafrika weist die höchste AIDS-Rate der Welt auf (5,7 Mio. Menschen sind HIV-possitiv). Nach sieben Wochen haben wir uns erstmals alleine zu Fuss in die Townships (die armen Schwarzenviertel) gewagt. Entstanden sind unglaublich ergreifende Fotos, hängen geblieben sind tiefe Eindrücke. Solche Bilder tun gut, sie relativieren vieles und zeigen schonungslos auf, dass im Vergleich zu diesen Leuten unsere Probleme gar keine Probleme sind. In den Townships geht es tagtäglich ums nackte Überleben.

Und so sind unsere Tage in Südafrika bald gezählt. Mit einem Ausflug in den Blyde River Canyon (die drittgrösste Schlucht der Welt) haben wir noch einmal eine unglaublich bizarre Landschaft erlebt, welche uns mit ihrer Mächtigkeit fast erschlagen hat; ein wahrlich gigantisches Schlussfeuerwerk. Zum Abschluss werden wir uns nächste Woche noch auf die Pirsch im Kruger Nationalpark machen. Wir wollen doch sehen, ob sich die Big 5 nicht noch einmal vor unserer Kamera blicken lassen.

Nachher heisst es definitiv Abschied zu nehmen vom schwarzen Kontinent...

...Südafrika war grossartig
...Südafrika war vielseitig
...Südafrika war anders
...Südafrika war speziell
...Südafrika war eine Herausforderung

Wir werden dieses Land immer in unseren Herzen mittragen.

zwei Traveller geniessen den bombastischen Sonnenuntergang

der Golden Gate Nationalpark - eine Stunde nach Sonnenuntergang

Kommentar überflüssig

harte Bedingungen in den Townships...

...vorallem, wenn man bei dieser Kälte so hausen muss

diese Kinder wachsen garantiert ohne Play Station auf

die drei Rondavels im Blyde River Canyon





frei wie ein Vogel...

...und einfach so richtig "zfride"

Dienstag, 5. Juli 2011

Südafrika - wine and more

Nun, wir sind noch ein paar Tage in Cape Town hängen geblieben, es ist wirklich eine beeindruckende und interessante Metropole. Man spürt die südafrikanische Geschichte förmlich, wenn man gemütlich durch die Strassen Kapstadts schlendert. Ein Quartier hat uns besonders begeistert, das Bo-Kaap. In dieser Gegend lebt ein Grossteil der islamischen Gemeinde, welche seit über hundert Jahren am Kap zu Hause ist. Die Stimmung ist friedlich und relaxed, die Häuser sind allesamt in verschiedenste Farben getüncht und zwischendurch hört man die Gebetsrufe des Muezzin, das alles ist igendwie noch ganz speziell fuer diese Gegend.

Weiter sind wir anschliessend in die Winelands gezogen. Obwohl gerade im Winter das Wetter in dieser Region eher schlecht ist , hatten wir metreologisch doch ziemlich grosses Glück. So sind wir kreuz und quer durch die Rebstauden gefahren. Wir liessen uns in einer wunderschönen Winefarm nieder, um einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen. Die Aussicht war grossartig, der Wein köstlich und das "Plättli" so ganz nach unserem Gusto – Mensch, lass es dir gut gehen! Und dann hiess es leider Abschied nehmen von der wunderbaren Gegend am Kap der guten Hoffnung. Vor uns standen ein paar längere Fahrten in allgemeiner Richtung Johannesburg. Auf den Strassen hatten wir (wie so oft auf dieser Reise) ein paar ganz reizvolle und eindrückliche Bilder erhascht. Hunderte von schwarzen vollbepackten Menschen laufen am Strassenrand entlang, weil sie kein Fahrzeug haben und das Minitaxi zu teuer ist. So oft fragen wir uns, wohin deren Weg wohl führen mag, es ist weit und breit kein Haus in Sichtweite. Oder dann plötzlich "voll auf die Klötze", wenn einem mehrere hundert Schafe entgegen kommen. Und wenn man so durch die endlose Weite der Karoo Halbwüste fährt, wo uns vor lauter Begeisterung für die grandiosen Felsformationen der Mund offen stehen bleibt und Sonne und Regen im Duett einen gigantischen Regenbogen hervorzaubern...ja, in diesen Momenten wissen wir jeweils, für was wir zu Hause gearbeitet haben.


Einen Zwischenhalt auf dem Weg Richtung Norden haben wir in Oudtshoorn gemacht. Erstens, weil die Fahrt über den Swartbergpass zu den Highlights in dieser Region zählt und zweitens, weil diese Stadt die Straussenhauptstadt der Welt ist. An jeder Ecke findet man eine Straussenfarm, in den Restaurants wird fast ausschliesslich Strauss serviert, an den Strassenkreuzungen verkaufen Frauen farbige Straussenfedern und in den Boutiquen wird edelstes Straussenleder an den Mann/an die Frau gebracht. Wenn wir nächstes Mal im Coop Straussenfleisch kaufen, wissen wir dann, woher es kommt.


Und so vergeht die Zeit und immer noch erleben wir jeden Tag irgend etwas Spezielles oder Aussergewöhnliches. Es ist schon ein riesengosses Privileg, einfach so durch die Welt zu ziehen und das zu machen, was man will (oder eben, das nicht zu machen, was man nicht will). Unsere Pläne für die zweite Reise haben sich konkretisiert, gestern haben wir unser Flugticket definitv gebucht. Aber vorerst zeigt der Wegweiser Richtung Schweiz - immer schön  der Heimat entgegen.

farbenfrohe Gebäude im muslimischen Quartier Bo-Kaap

in diesem gemütlichen Weingut haben wir uns ein wenig "verwiilet"

und immer wieder begleitet uns ein Regenbogen auf unseren Zügen

typisch afrikanisches Treiben auf der Strasse

und das hier landet später mal auf unserem Teller oder endet als Handtasche

geschafft - unser "Chäri" hat uns gut über den Swartbergpass gebracht

ideale Kulisse für ein Wild West Film

die Richtung wissen wir, machen wir uns also langsam auf den Heimweg

Samstag, 25. Juni 2011

Südafrika - am Kap

Wir haben noch ein paar wunderbare und erholsame Tage im Surfmekka Jeffreys Bay erlebt und zählen nun auch schon ein bisschen zu den Insidern. So wissen wir jetzt, was supertubes sind oder was ein Surfer mit einem lefthand-break oder einer righthand wave meint. Diese Typen sind ziemlich cool, betreiben ihren Sport aber topseriös, eine sehr spezielle und zugleich faszinierende Welt.

Weiter ging die Fahrt alles schön der Südküste nach, bis wir kurz nach Jeffreys Bay die Bloukraans Brücke überquert haben und in der Provinz Western Cape angekommen sind. Diese Brücke ist die höchste in ganz Afrika, aber dies allein ist nicht der eigentliche Grund, wieso sie weltberühmt ist. Vom Brückengeländer stürzen sich die Waghalsigen in die Tiefe und erleben dabei wohl einen ganz ordentlichen Adrenalinkick. Mit 216 Meter ist dies gemäss Guiness Book of Records der  höchste Bunggee-Absprung der Welt. Leider waren wir etwas in Eile, sonst wären wir natürlich auch runtergesprungen:-).

Und als wir noch weiter in den Süden runter gefahren sind, erreichten wir auf einmal einen ganz mystischen Punkt, das Cape Agulhas. Hier treffen der Indische Ozean und der Atlantik aufeinander. Es ist ein ziemlich verlassener Ort mit stürmischen Winden, rauher See und einem Leuchtturm wie aus dem Bilderbuch. Schon so manchem Seefahrer hat dieses Kap das Leben schwer gemacht - es ist der südlichste Punkt von ganz Afrika. Es war schön, hier etwas zu verweilen und auf die beiden Ozeane hinaus zu schauen. Und wenn einem die starken Windböen so um die Ohren pfiffen, hatte man das seltsame Gefühl, Sir Francis Drake oder Vasco da Gama seien erst gerade noch hier durchgesegelt.

Und so sind wir schliesslich in Cape Town angekommen. Lange haben wir uns auf diese Stadt gefreut und nun waren wir einfach da. Kapstadt strahlt einen ganz speziellen Charme aus. Hier wurde südafrikanische Geschichte geschrieben, hier gibt es die grösste Ansammlung weisser Menschen, hier sieht man viktorianische Häuser aus der Kolonialzeit, hier wacht der Tafelberg wie eine grosse Festung über die Stadt, hier gibt es fein herausgeputzte Hotels und Restaurants - jetzt können wir nur allzu gut verstehen, wieso schon so manch einer Cape Town zu seiner Lieblingsstadt erklärt hat. Dies alles täuscht aber leider nicht darüber hinweg, dass wir uns immer noch in Südafrika befinden und man nach Einbruch der Dunkelheit aus Sicherheitsgründen besser nicht zu Fuss unterwegs sein sollte. Ein interessanter Ort haben wir im Waterfront Quartier entdeckt. Eine äusserst gut gelungene Plastik zeigt die vier Friedensnobelpreisträger von Südafrika (Albert Luthuli, Erzbischof Desmond Tutu, Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk). Alle vier waren sie grosse Aktivisten im Kampf gegen die Apartheid und sehr schnell wird einem wieder mal bewusst, welch unschöne und traurige Zeit dieses Land eigentlich hinter sich hat. Die jüngere Vergangenheit ist dann glücklicherweise um einiges erfreulicher, denn auch in Kapstadt wurde an der WM Fussball gespielt. Das Green Point Stadium gleicht einem architektonischen Meisterwerk, einfach fazinierend, was hier aus dem Boden gestampft wurde. Ein ganz besonderes Erlebenis war natürlich auch ein Ausflug ans Cape of Good Hope. Dieser Felsen inmitten einer wilden Bradung wird schon seit mehreren hundert Jahren von Seefahren umschifft und diese Landzunge mit ihren Tücken stellt bis heute höchste Anforderungen an jeden Captain und seine Matrosen.

Das Kap der Guten Hoffnung war ein sehr guter Ort, um uns etwas inspirieren zu lassen, wie unsere zweite Reise aussehen soll. Daraus sind ziemlich konkrete Pläne entstanden, Flüge wurden bereits vorreserviert, einzelne Reiseführer sind schon gekauft, es wird spannend. Wenn ihr wissen wollt, wie und wohin es nach unserem CH-Zwischenstopp weitergeht - alles demnächst in diesem Blog!

perfekte "Pistenverhältnisse" für Surfer

wer sich hier runterstürzt, kann wirklich nur hoffen, dass das Seil hält

am südlichsten Punkt Afrikas thront einsam ein stolzer Leuchtturm

Prominentenrunde - die vier südafrikanischen Friedensnobelpreisträger


grossartige Architektur - das Green Point Stadium in Cape Town

das Kap der guten Hoffnung könnte wohl viele Seefahrer-Geschichten erzählen

und auch Jack Daniels waren dort:-)

Montag, 13. Juni 2011

Südafrika - Facetten

Inzwischen sind wir der Südspitze Afrikas schon ein schönes Stück näher und haben bis anhin ein extrem vielseitiges Südafrika kennengelernt.

So hat uns Durban, die drittgrösste Stadt Südafrikas in ihren Bann gezogen. Nebst der ungezwungenen Atmosphäre und den angenehmen Temperaturen (wir haben hier schliesslich Winter) ist Durban für uns Schweizer ja schon fast ein heiliger Ort. Hier hat die Nati an der Fussball-WM 2010 als einziges Team den späteren Weltmeister Spanien besiegt. Klar für uns, dass ein Besuch im Moses Mabhida Stadium nicht fehlen durfte.

Anschliessend führte uns der Weg weiter auf das Dach Südafrikas, genauer gesagt in die zerklüfteten Tafelberge der Drakensberg Range. Am Fusse des Sani Pass' hatten wir eine ganz gemütliche Bleibe gefunden und einmal mehr äusserst interessante Menschen mit ihren Geschichten kennenglernt. Da war zum Beispiel der belgische Extremsportler, welche sich vom Comrades Marathon (86 Kilometer bergauf) erholte, oder der Deutsche Jörg, welcher seit mehr als 2 Jahren mit dem Velo kreuz und quer durch Afrika radelt, oder schliesslich die beiden israelischen Teenager, welche seit rund sechs Monaten mit Zelt und Autostopp in Afrika unterwegs sind. Chapeau all diesen Leuten, da gilt unsere Weltreise schon fast als ganz normal. Natürlich "kragzelten" wir in diesen wunderschönen Bergen verschiedene Wanderpfade ab und haben uns dabei pudelwohl gefühlt. Ein Highlight war die Fahrt hinauf auf den Sani Pass und über die Grenze weiter hinein ins Königsreich Lesotho. Die Aussicht war atemberaubend, die Strasse allerdings der absolute Wahnsinn, unglaublich enge und nicht enden wollende Serpentinen mit einer Steigung von bis zu 30%! Ach ja, und das alles auf einer total ausgewaschenen Piste - na, dann Prost! Apropos, dafür gönnten wir uns einen Drink auf 3'000 M.ü.M. im höchstgelegenen Pub Afrikas.

Nach den Bergen gings wieder hinunter an die Küste, an die WILDE Küste. Die faszinierend schöne Wild Coast trägt einen treffenden Namen. Mit ihren Klippen, die sich ins Meer stürzen, entlegenen Sandstränden, ländlichen Dörfern und einer Vergangenheit, die von Schiffbruch und gestrandeten Seeleuten erzählt, ist sie ein ziemlich abenteuerlicher Ort. Ein angenehmes Häuschen mit Meerblick und dem Geräusch der Brandung bot uns eine schöne Unterkunft inmitten einer sagenhaften Kulisse. Und am Abend in der Bar waren wir einmal mehr die mit Abstand am ältesten. Wir logieren hier in Südafrika (schon aus Kostengründen, aber nicht nur) fast ausschliesslich im Backpacker (eine moderne Art von Jugendherberge, oder so ähnlich). So können wir einerseits selber kochen und kommen dadurch auch immer wieder mit Jugendlichen aus der ganzen Welt, welche vom Alter her unsere Kinder sein könnten in Kontakt.

Jetzt gerade sind wir in Jeffreys Bay und schauen den Surfern zu. Diese Beach zählt zu den weltbesten Orten zum Surfen. Komisch, wir finden, dass das Internet hier überhaupt nicht schneller ist als sonstwo (kleiner Witz:-).

Kapstadt naht - wir sind auf Kurs!

an dieser Stätte haben die Schweizer die Spanier "verruumet"

und ein Ersatzspieler wartet bis heute auf seinen Einsatz

unser Häuschen in den Drakensbergen war "heimelig" und hatte zum Glück eine Heizung

dieser Landrover brachte uns souverän auf den Sani Pass

Impressionen aus dem Königsreich Lesotho


Dani in bester Gesellschaft im höchstgelegenen Pub Afrikas

eindrückliche Stimmung an der Wild Coast

und wie fast immer auf dieser Reise wird einmal mehr selber gekocht

Sonntag, 29. Mai 2011

Südafrika - auf Lion Kings Spuren

Nach etwas mehr als 13 Stunden in der Luft sind wir gut in Johannesburg gelandet. Leider hat uns der Jetlag einmal mehr schlaflose Nächte bereitet, es dauerte fast eine Woche, bis wir uns an die Zeitverschiebung gewöhnt hatten. Na gut, wenigstens befinden wir uns jetzt bis zum Ende unserer Reise in der gleichen Zeitzone wie ihr zu Hause. Auch sonst sind wir immer noch in der Angewöhnungsphase in einem Land mit ziemlichen Gegensätzen: Weisse Leute - schwarze Leute, Lehmhütten - Luxusunterkünfte, Englisch - Zulu, Autobahnen - Schotterpisten mit Schlaglöcher etc. Auf unseren bisherigen Reisen haben wir zwar schon viele (und viel extremere) Diskrepanzen gesehen, Afrika ist aber irgendwie ganz anders. Momentan ist es für uns noch etwas schwierig, dies alles einzuordnen, vergessen denn zu beschreiben.

 Die ersten paar Tage waren geprägt von ausgedehnten Pirschfahrten durch zwei Wildreservate in KwaZulu-Natal in der Nähe von Durban. Wir sind fast ausgeflippt, was uns da vor die Kameralinse (oder vor die Autohaube) gelaufen ist: Paviane, Gibbons, Gnus, Gazellen, Giraffen, Zebras, Flusspferde, Schlangen, Wildschweine, Krokodile, Antilopen, und von den Big5 soger Büffel, Nashörner und durchs Fernglas ein riesengrosser Löwe (es fehlen uns also noch Elephant und Leopard). Das wird uns beim nächsten Zoobesuch bestimmt ziemlich komisch vorkommen, wenn wir all diese Viecher dann wieder hinter Gitter sehen.

Unterwegs sind wir hier mit dem eigenen Fahrzeug, was uns auf der einen Seite mehr Flexibilität erlaubt, uns andererseits aber auch mehr Sicherheit bietet. Südafrika zählt ja nun schliesslich nicht gerade zu jenen Ländern mit einer tiefen Kriminalitätsrate und all die Warnungen der Einheimischen und im Reiseführer sind ziemlich unmissverständlich. Wir fahren nun in allgemeiner Richtung via Wild Coast und Garden Route ans Kap der guten Hoffnung, wo wir in gut zwei Wochen stranden werden. Und wie könnte es bei Balmlers auch anders sein, freuen wir uns schon heute auf die Weinüter am Western Cape.

Zwischendurch finden wir auch mehr und mehr Zeit, den weiteren (restlichen) Verlauf unserer Reise zu planen (und zu ändern). Es existieren erste Pläne, was in den kommenden Wochen und Monaten auf dem Programm (oder eben nicht mehr auf dem Programm) stehen soll. So leben wir nach der etwas intensiven Zeit in Ozeanien ganz im Grundsatz, dass weniger oft mehr ist. Weiteres dazu zu einem späteren Zeitpunkt, wir halten euch auf dem laufenden.


"last call for passengers travelling to Johannesburg"

Familie Hippo bei der Morgentoilette

eine Büffelherde zieht von dannen




fast wie im Film, aber echt! Ein Zebra in der Savanne


nicht nur wir schauen voraus in die Ferne


gemütliche Stimmung in der Steppe draussen


...na gut, mehr oder weniger gemütlich

die beiden Grosswildjäger in einem gediegenen B & B


solange kein Löwe in der Nähe ist, geht es den Gnus bestens



Samstag, 21. Mai 2011

Neukaledonien - ein spezielles Land

Es ist schwierig, die vergangenen zwei Wochen in Worte zu fassen. Zu verschieden waren die Eindrücke und zu unterschiedlich war das Erlebte. Wir probieren es natürlich trotzdem und berichten hier von einem ganz aussergewöhnlichen Flecken Erde.

Die ersten Tage verbrachten wir in der Hauptstadt Nouméa. Wir waren froh, dass wir am Anfang mit der Auberge de Jeunesse (Jugendherberge) eine feste Bleibe hatten. Umso mehr, weil unser Gepäck den Weg in den tiefen Südpazifik erst einen Tag später gefunden hat als wir. Wenn wir nicht gewusst hätten, wo wir uns gerade befinden, hätten wir bei der Ankunft wahrscheinlich auf Paris getippt. Kaum etwas erinnerte daran, dass Nouméa mehrere tausend Kilometer von Frankreich entfernt ist. Hier wird französisch gesprochen, hier ertönt am Sonntagmorgen die Marseillaise (Nationalhymne Frankreichs), hier laufen alle mit einem Baguette unter dem Arm rum, hier wird Beaujolais, Côtes du Rhône, Bordeaux und Gewürtztraminer getrunken, hier wird am Radio jeweils die Lokalzeit sowie die aktuelle Zeit von Paris durchgegeben, hier heissen die Strassen Rue, Avenue oder Promenade, hier gibt es ein Quartier Latin etc. Leider unterscheidet sich auch das Preisniveau nicht von Frankreich – Neukaledonien ist sehr teuer.

So machten wir uns mit Mietwagen und Zelt auf, um das ozeanische Eiland zu erforschen. Wir merkten bald, dass Neukaledonien dann doch noch in einem Punkt wesentlich anders ist, als die Grande Nation, nämlich in der spärlichen touristischen Infrastruktur. Es gibt ein paar wenige Hotels, welche wir uns schlichtweg nicht leisten konnten. Dann hat es noch hie und da Privatunterkünfte, wo auch Essen angeboten wird...nein, für uns leider viel zu teuer. Restaurants? Fehlanzeige! So blieben uns nur noch die vereinzelt vorhandenen Campingplätze, welche sich zum grössten Teil zwar an tollster Lage befanden, aber allesamt ziemlich spartanisch eingerichtet waren. Wir lernten auf einmal schätzen, wie schön es ist, zwischendurch mal heiss zu duschen oder wenn uns der Eigentümer eine Tasse heisses Wasser für den Nescafé rausrückte. Gegessen haben wir als Selbstversorger und aufgrund fehlender Kochgelegenheit mehrheitlich kalt. So haben wir als Zelt-Anfänger ausschliesslich im Zelt übernachtet, was auf der einen Seite zwar wunderschön war, für uns aber eine riesige Herausforderung bedeutete. Zum Glück hatten wir einigermassen gutes und trockenes Wetter.

Trotz dieser nicht ganz einfachen Umstände wurden wir mit einer unglaublichen Landschaft belohnt. Fern ab von jeglicher Zivilisation entdeckten wir die einsamsten Strände, eine Küstenstrasse wie aus dem Bilderbuch, dann wieder malerische Regenwälder mit beeindruckenden Wasserfällen und zwischendurch mal wieder ein schönes „Chileli“. In nördlichen Teil sind wir schliesslich fündig geworden, von wo Neukaledonien (Neu Schottland) überhaupt seinen Namen hat. Die Berge und Wälder erinnerten uns an all die schönen Reisen nach Schottland und so muss es auch dem englischen Seefahrer James Cook gegangen sein, welcher auf der Suche nach Terra Australis (dem heutigen Australien) hier gelandet ist; die Ähnlichkeit mit den schottischen Highlands ist tatsächlich verblüffend.

Was mit Neukaledonien in Zukunft passiert, weiss man nicht so genau. Die einen sprechen von der Unabhängigkeit zu Frankreich, andere glauben nicht so recht daran. Zwar baut das Land 25% des weltweiten Nickels ab und sichert sich damit eine gewisse Zukunft. Aber allein schon, dass 30% aller Erwerbstätigen als Angestellte des öffentlichen Dienstes ihren Lohn direkt von Paris beziehen, wird wohl eher dahin zielen, dass Neukaledonien noch für längere Zeit zum französischen Empirium gehören wird.

Unsere Reise geht nun in westlicher Richtung weiter. Am Montag fliegen wir in einem Mammutflug und einem eintägigen Zwischenstopp in Sydney nach Johannesburg in Südafrika. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass in Afrika unsere Reise erst so richtig beginnen wird. Die Tatsache, dass wir bisher noch nie auf dem schwarzen Kontinent waren, lässt dies schon etwas erahnen. Nun gut, wir freuen uns einmal mehr, sind gespannt was kommen wird und lassen uns einfach auch ein bisschen überraschen. Ist es nicht genau das, was eine spannende Reise ausmacht?


leckere französische Baguettes...
 
...und das alles so weit von zu Hause entfernt

tolle Stimmung beim kalten Frühstück aus der Kartonbox...

...dafür aber ein Zeltplatz wie bei Robinson

Mangroven vegetieren vor sich hin...


...Küsten wie im Traum...


...herrliche Regenwälder...


...und eine aussergewöhnliche Kirche am äussersten Landzipfel

und hier noch ein exklusiver Blick in unsere Wohnung

Freitag, 6. Mai 2011

Australien - auf der Zielgerade

Der Weg führte uns in den letzten zwei Wochen nochmals weiter nordwärts. Die Vegetaion wurde üppiger, die Temperaturen nahmen einen weiteren "Gump" nach oben und die Luftfeuchtigkeit stieg an - wir waren in den Tropen. Im Northern Territory sind ein Grossteil der Ureinwohner Australiens zu Hause. Nach all den Jahren Besitzanspruchs der Engländer scheinen sich diese beiden doch so unterschiedlichen Kulturen miteinander arrangiert zu haben. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass mann in den Strassen doch leider häufig Aboriginals sieht, welche nur rumhängen und dem Alkohol und anderen Drogen verfallen sind. Wir haben das Gefühl, dass Australien punkto Integration wahrscheinlich schon noch die eine oder andere Hausaufgabe zu erledigen hat. Das dies nicht immer einfach wird, wissen wir als Schweizer ja nur allzu gut.

Wir haben uns in den vergangenen Tagen nochmals in die Natur zurückgezogen und die faszinierende Landschaft des Nordens genossen. Sei es der gigantische Katherine River, welcher sich durch eine enge Schlucht windet, die riesengrossen Termitenhügel im Litchfield Nationalpark oder das gigantische Sumpfgebiet und die Felsmalereien im Kakadu Nationalpark. Allesamt waren sie weitere Höhepunkte auf einer eindrücklichen und spannenden Reise durch Australien.

Nach 62 Tagen und 8'611,50 Kilometer war Vorgestern somit unsere Australien-Mission beendet. Mit Pauken und Trompeten fuhren wir in Darwin ein. Wir waren überglücklich, dass uns während der ganzen Reise von den 40 Tonnen schweren Roadtrains keine grossen Steine auf die Windschutzscheibe gespickt wurden, dass bei den enormen Asphalttemperaturen alle Reifen durchgehalten haben, dass die Strassen von den heftigen Monsunüberschwemmungen und Zyklonen mehrheitlich befreit waren und dass der ganze Trip unfallfrei verlaufen ist. Ob es an unseren Wünschen bei den vielen Sternschnuppen, dem allabendlichen Blick zum Kreuz des Südens oder sonst an einer aussergewöhnlichen Kraft gelegen haben mag, wissen wir nicht. Auf jeden Falls sind wir für den reibungslosen Ablauf zutiefst dankbar. Irgendwie sinnbildlich dafür war jenes Kangaroo, welches 1 Stunde vor Darwin über die Strasse hopelte, am Strasssenrand anhielt, sich drehte und uns mit einem treuen Blick in die Augen geschaut hat. Wir hatten das Gefühl, es wolle sich von uns verabschieden. Es hüpfte weiter in die Wildnis hinaus und so haben auch wir uns verabschiedet - wir waren gerne zu Gast in Down Under!

bye bye Australia et bienvenue en Nouvelle-Caledonie




unbegrenzte Freiheit am Katherine River







Aboriginal-Kunst auf Fels gemalt

malerische Sumpflandschaft im Kakadu Nationalpark


...doch die Idylle trügt

hier waren die überaus fleissigen Termiten am Werk


angekommen am Top End - der Motor wird zum letzten Mal abgestellt


der Wind weht in die richtige Richtung, lasst uns die Segel hissen, die Reise geht weiter