Unsere grosse Reise

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Switzerland
Jacqueline wurde im vergangenen Jahr 40 Jahre alt und Dani konnte den selben Geburtstag dieses Jahr feiern. Wir beide sind seit 10 Jahren verheiratet und kennen uns seit über 20 Jahren. Für uns liefern bereits schon diese Fakten genug Gründe, um ein neues grosses "Midlife"-Abenteuer in Angriff zu nehmen. Das ganze geschmackvoll angereichert mit unserem chronischen Fernweh ergibt nun im Endergebnis eine Reise, von welcher wir noch nicht genau wissen, wohin sie uns im Detail führt, wie lange sie dauert und was genau auf uns zukommen wird. Mit diesem Blog möchten wir euch ein bisschen Anteil an unserem Trip haben lassen und euch aus unserer Optik berichten, was wir in der grossen weiten Welt erleben und was gerade so abläuft. Wir danken euch schon heute für eurer Interesse und wünschen euch viel Spass im Seitenwagen von Jack Daniels.
"Der Gewinn eines langen Aufenthaltes ausserhalb unseres Landes liegt vielleicht weniger in dem, was wir über fremde Länder erfahren, sondern in dem, was wir dabei über uns selbst lernen."

Roger Peyrefitte (*1907), frz. Schriftsteller und Politiker

Sonntag, 19. Februar 2012

Laos - am Mekong

Unsere Reise durch Nordthailand haben wir in den Hügeln um Mae Salong ausklingen lassen. In diesem kleinen Dörfchen hat man das Gefühl, sich vielmehr in einer südchinesischen Provinz zu befinden als in Thailand. Die Leute kommen zu einem grossen Teil aus China, es gibt mehr chinesische Restaurants als thailändische und getrunken wird Grün- und Jasmintee. Die Gangart ist ruhig, ja sehr ruhig, die Luft klar und erfrischend, dort oben kann man die Zeit etwas ruhen lassen. Bei einem Trekking durch die üppigen Teeplantagen schwälgten wir etwas in Erinnerung an die wunderschönen Teeanbaugebiete von Malaysia und Indien.

Bevor wir definiv den Mekong überquerten, stand noch ein Ausflug zum Goldenen Dreieck auf unserem Programm. An diesem geschichtsträchtigen Ort fliesst der Fluss Ruak in den Mekong und bildet somit die politische Grenze zwischen Thailand, Myanmar (Burma) und Laos. In der Vergangenheit war diese Region weltweit eine der wichtigsten Umschlagsplätze für den im Hinterland angebauten Schlafmohn, jene Pflanze, aus welcher Opium hergestellt wird. Zum Abschluss haben wir uns aber lieber ein Singha Bier als eine Opiumpfeife gegönnt. Mit dem kühlen Getränk und dem Blick hinüber auf die andere Flussseite nach Laos kam bei uns etwas Wehmut auf, es hiess Abschied zu nehmen von Thailand - der Norden ist alleweil mal wieder eine Reise wert.

Am anderen Morgen reisten wir wie VIP's in Laos ein. Es gibt in der westlichen Welt genau zwei Staaten, welche für dieses südostasiatische Land kein Visum brauchen. Das sind Luxemburg und......richtig, die Schweiz. Wir haben bis heute nicht herausgefunden, wieso das so ist. So mussten wir nicht am Visa-Schalter bei der langen Kolone anstehen und konnten vor der Bootsabfahrt noch gemütlich "zmörgele". Vor uns lag eine zweitägige Flussfahrt auf dem Mekong, unser Ziel war Luang Prabang, die von der UNESCO geschütze ehemalige Königsstadt. Der Trip war äusserst gemütlich, ja manchmal sogar schon fast meditativ. Ganz langsam tuckerte das Langboot den Fluss hinunter, am Ufer bot sich uns eine friedvolle Szenerie mit winkenden Leuten, spielenden Kindern, eiferigen Fischern und betenden Mönchen. Am Mekong scheint die Welt noch ziemlich in Ordnung zu sein, uns hat es jedenfalls den Anschein gemacht. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir schliesslich in das schon so lange erwartete Luang Prabang ein. Die Stimmung vom Mekong schien sich in diesem verträumten Ort fortzusetzen. Alles läuft etwas langsamer, Hektik gibt es keine, man kann einfach in den Tag hineinleben. Das haben wir dann auch genau so gemacht, haben die unzähligen Tempel bestaunt, haben bei einem Kaffee den vorbeiziehenden Mönchen zugeschaut oder uns in den verschlafenen Strassen etwas von der französichen Kolonialarchitektur verzaubern lassen. Nach sechs Tagen Schleichtempo geht es morgen dann weiter Richtung Süden.

Laos ist ein ganz spezielles Land. Es ist so anders wie alles, was wir bis jetzt bereist haben, wir können es noch nicht so genau in Worte fassen - eigentlich ein gutes Zeichen, nicht?


Teeplantagen in der Umgebung von Mae Salong

ein historischer Ort - das Goldene Dreieck

das letzte Singha Bier auf thailändischem Boden

die Fahrt auf dem Mekong gestattete uns einen tiefen Einblick in das Leben der Laoten

und an Bord scheint auch alles klar zu sein

die zukünftigen Fischer vom Mekong

nach 300 Kilometer endete die Fahrt mit diesem Sonnenuntergang

überall ziehen Mönche durch die ruhigen Strassen von Luang Prabang...

oder helfen gerade mit bei der Tempelrenovation

auch in Laos haben die Franzosen etwas Kolonialarchitektur hinterlassen

Donnerstag, 9. Februar 2012

Thailand - (un)bekannte Gesichter

Um es gleich vorweg zu nehmen, im Koffer hatten zwei deutsche Heftlis, zwei grosse Schokoladen und ein riesiges Stück Appenzellerkäse Platz. Wir fühlten uns wie im siebten Himmel, als wir die leckeren Sachen verspeisten. Es war für uns ohnehin ein ganz besonderes Erlebnis, als wir von unseren (Schwieger)Eltern und Josef (der Cousin von Röbi) in Chiang Mai völlig unerwartet vom Bahnhof abgeholt wurden - irgendwie eine Rückkehr nach Hause oder so ähnlich.

Unser Programm in der Nordthailändischen Provinzstadt sah dann auch etwas anders aus, wie es vielleicht für einen normalen Toursiten aussehen würde. Josef, welcher schon vor Jahren seine Zelte in Chiang Mai aufgeschlagen hatte, erlaubte uns einen grossartigen Einblick in sein Leben. So waren wir bei ihm in seinem Haus zum Fondue (mit originalem Schweizerkäse) eingeladen, er forderte uns beim Minigolf aufs Äusserste heraus und führte uns in das Dorf der Familie seiner Lebensgefährtin Nuan. Als "Einheimischer" zeigte er uns die besten Restaurants und gab uns den einen oder anderen Tip für unsere Weiterreise. Die zehn Tage in Chiang Mai vergingen wie im Flug, dieser Ort hat es uns wirklich angetan. Wir hatten mit Adam einen charismatischen Gastgeber, mit der angenehmen und trockenen Hitze ein hervorragendes Klima und mit all den lauschigen "Beizlis" eine wunderbare Plattform, um mit Röbi und Irène zu plaudern. Schliesslich wollten wir möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen, haben sie den weiten Weg nach Thailand ja auch etwas wegen uns in Angriff genommen.

Wie schon oft auf dieser Reise haben wir beim Abschied von Chiang Mai zueinander gesagt, dass auch dies ein Ort sei, wo wir irgendwann mal wieder zurückkehren möchten...also in diesem Sinne - auf Wiedersehen, bis bald!

So verliessen wir diese Stadt und damit auch die uns vertrauten Personen. Mit dem Bus reisten wir weiter Richtung Chiang Rai, ein kleine Stadt nahe dem Goldenen Dreieck. Chiang Rai ist etwas kleiner als Chiang Mai, aber keinesfalls weniger attraktiv als seine grosse Schwester. Dieser Ort ist vorallem wegen dem weissen Tempel bei vielen Reisenden ein Begriff. Aus der Entfernung wirkt der Wat Rong Khun, als bestünde er aus glitzerndem Porzellan. Beim näheren Hinschauen entdeckt man aber, dass der Effekt durch eine Kombination aus weisser Farbe und Spiegelstücken erzielt wird. Der Anblick war mindestens ebenso spektakulär, wie jener des Taj Mahals in Indien, so etwas haben wir nun wirklich noch nie gesehen. Das Gebäude wirkte wie das Schloss einer Schneekönigin und somit hatten auch wir etwas Wintergefühle bei angenehm warmen Temperaturen.

Nun wollten wir natürlich auch noch etwas von der herrlichen Umgebung sehen. Was gab es also besseres, als diese mit einem Roller zu erkunden. Es war das erste Mal, dass wir uns so ein "Töffli" gemietet haben, und wir fühlten uns auf diesem Gefährt von Beginn weg sicher und unglaublich frei. Als wir nach zahlreichen Kurven und einem herrlichen Weg durch den Dschungel schlussendlich noch an einem bezaubernden Wasserfall vorbeigekommen sind, war das Glück perfekt. Obwohl wir hie und da immer wieder etwas Heimweh haben, sind wir gerade in solchen Momenten ziemlich froh, dass die Reise heute und morgen noch nicht gerade zu Ende ist.


schön, wieder mal vertraute Gesichter zu sehen...

...und dann erst noch dieses Essen

das angestrebte "hole in one" wollte Josef vorerst noch nicht gelingen

trotz unheilbarer Krankheit strahlt das Grosi von Nuan eine enorme Kraft aus

und auch Adam, der Guesthouse-Besitzer hat es uns angetan

winterliche Stimmung bei über 30°C beim Wat Rong Khun


eine mal etwas andere Buddhastatue

Balmers als Abenteurer im bergigen Dschungel von Nordthailand...

...und hier als zwei kleine "Hells Angels"

Donnerstag, 26. Januar 2012

Thailand - im Land des Lächelns

Abschied zu nehmen ist immer mit etwas Wehmut verbunden, vor allem nach dieser wunderbaren und so erholsamen Zeit in Goa. Aber wie wir dann jeweils zu sagen pflegen, der Wind hat gedreht, lass uns die Sachen packen, wir müssen weiter.
Obwohl die Strecke von Goa nach Bangkok auf der Landkarte nicht besonders weit erscheint, war die Reise doch strapaziöser, als wir uns das vorgestellt haben. Morgens um 3.30 Uhr ging es aus den Federn und in einem kurzen Flug zurück nach Mumbai. Dort hatte dann leider unser Anschlussflug nach Bangkok zwei Stunden Verspätung und mit Zeitverschiebung, Immigration und dem Transfer in die Stadt wurde es dann schon mal 23.00 Uhr, bis wir unser Hotel in der berühmt berüchtigten Khao San Road beziehen konnten. Müde aber zufrieden schliefen wir ein, träumten noch etwas von Sand und Palmen und auch schon bereits von den bevorstehenden Erlebnissen in Südostasien. Die ersten paar Tage verbrachten wir in Bangkok, nicht zuletzt auch um uns etwas anzuklimatisieren. Eigentlich hatten wir gedacht, dass Asien doch Asien ist und der Unterschied von Indien zu Thailand nicht besonders gross sein werde. Weit gefehlt! Schon bald merkten wir, dass hier in Thailand alles ziemlich sauber ist, alles mehr oder weniger gut organisiert, kein Gehupe, keine Hektik, wir schienen in einer total anderen Welt angekommen zu sein. Obwohl wir beide Länder ja schon aus früheren Reisen  gut gekannt hatten, war dieser direkte 1:1-Vergleich schon noch ziemlich eindrücklich.
Auf dem Weg Richtung Norden haben wir unsere Zelte erst mal für zwei Tage in Ayutthaya aufgeschlagen. Dieser Ort gehört, wie so viele andere seiner Art auch, zum Weltkulturerbe und war zwischen 1350 und 1767 die Hauptstadt des Königreiches Siam. Zudem war diese Stadt ein äusserst wichtiger Handelsumschlagplatz in Asien und viele Handelsreisende sollen sogar gesagt haben, dass Ayutthaya der schönste Ort sei, den sie je gesehen haben. Obwohl heute nur noch einzelne Ruinen an vergangene Tage erinnern, zeugen die Überreste der Paläste und Tempel von einer glorreichen und wohlhabenden Zeit. Und wenn man zwischen den historischen Bauten so durchschlendert, mal eine Pause einschaltet und sich die Zeit nimmt, etwas Inne zu halten, meint man doch tatsächlich, hie und da das Stimmengewirr und das geschäftige Treiben der Händler aus weiter Entfernung wahrzunehmen.
Momentan sitzen wir im Zug Richtung Chiang Mai und haben noch gut acht Stunden bis zur Endstation vor uns. In Chiang Mai, quasi dem Ausgangspunkt für unsere Nordthailand-Exkursion, werden wir dann vorerst mal wieder etwas länger bleiben. Nicht zuletzt auch darum, weil wir dort prominenten Besuch erwarten. Unsere Eltern, Röbi und Irène hatten genug vom kalten Winter in der Schweiz und haben sich daher kurzfristig entschlossen, in die Wärme nach Thailand zu fliegen. So werden wir die beiden morgen sehen und hoffen ganz fest, dass die eine oder andere Tafel Schokolade und vielleicht ein deutsches Heftli noch im Koffer Platz gefunden hat.

der Wind zeigt es uns an, es ist Zeit aufzubrechen

auch die Götter sind nicht mehr die gleichen wie in Indien

Jacky auf Erkundungstour hoch zu Stahlross

wie dieser Buddhakopf in das Wurzelwerk gekommen ist, weiss niemand so genau

mit 17 Meter Höhe ist dies eine der grössten Buddha-Statuen in ganz Thailand

wie ist das Leben früher wohl in diesen Tempeln abgelaufen?

zwei glückliche Traveler zwischen Gepäck und Geleisen

...und jetzt geht es Richtung Norden


Mittwoch, 4. Januar 2012

Indien - der andere Alltag

Nach der aktiven Reiserei im Norden erleben wir seit rund zwei Wochen eher geruhsamere Tage im unteren Teil des Indischen Subkontinents. Wir befinden uns in Goa, einem kleinen Bundesstaat etwa 750 Kilometer südlich von Mumbai. Die Strecke hierhin haben wir mit der Kolkan Railway zurückgelegt, wohl eine der malerischsten Routen in ganz Indien. Obwohl der Zug in Mumbai erst mit vier Stunden Verspätung startete, war es jeder Kilometer wert, an Bord des Mandovi Express‘ zu sein. Noch einmal konnten wir das Eisenbahnfahren so richtig auskosten. Die Reise führte uns durch üppige Tropenvegetation und vorbei an den Hügelzügen der Western Ghats bis sich der Tag schliesslich mit einem fulminanten Sonnenuntergang verabschiedete, wirklich toll!

In Goa werden wir gesamthaft einen Monat bleiben. Nachdem vorher jeder Tag etwas verschieden gestaltet war, sind wir hier schon fast zum Gewohnheitstier geworden, die Tagesabläufe unterscheiden sich kaum gross voneinander. Am Morgen stehen wir auf, und zwar wann wir wollen - nicht, wann der Wecker will. Anschliessend schlendern wir in ein kleines und einfaches „Beizli“ zum Frühstücken. Dort bleiben wir mindestens zwei Stunden, essen, lesen und machen den einen oder anderen Schwatz mit den älteren Engländern und Deutschen, welche schon seit Jahren die Wintermonate in dieser paradiesischen Umgebung verbringen. Was es zum Frühstück gibt? Dani: Bananen Porridge, schwarzen Kaffee, Omelette, Toast und zwei frische Ingwer-Honig-Tee. Jacqueline: Müesli mit Quark und Honig, Kaffee aus dem BODUM-Krug, getoastetes Tomaten-Käse-Sandwich und ebenfalls zweimal Ingwer-Honig-Tee. Was das alles kostet? Umgerechnet macht das total etwa Fr. 4.95!!! Anschliessend geht es an die Beach. Wir laufen anderthalb Stunden Richtung Süden, bis wir an dem ohnehin schon gottverlassenen Strand wirklich keiner Menschenseele mehr begegnen. Dort macht sich Dani mit dem Schweizer Sackmesser an eine frische und saftige Ananas heran, anschliessend ein abkühlendes Bad im kristallklaren Wasser des Arabischen Meers und wieder anderthalb Stunden zurück Richtung Norden. Manchmal gönnen wir uns ein oder zwei Bierchen in einer zu einem Restaurant umfunktionierten Strandhütte und wohnen dem zauberhaften Sonnenuntergang bei. Zurück in unserem gemütlichen Häuschen gibt es die langersehnte Dusche und ein paar Zeilen aus einem spannenden Buch (oder ein Solitär am Compi). Schliesslich gehen wir noch ins Dörfchen, essen etwas feines z’Nacht und geniessen ein wenig die unbeschwerte Atmosphäre von Goa. Dieser Teil Indiens unterscheidet sich dermassen vom Rest des Landes, dass wir uns oft selber fragen, ob wir überhaupt noch in Indien sind. Überall spürt man die vergangenen Tage der portugiesischen Kolonialisten. Seien es die schönen farbigen Häuschen, die relaxte Lebensweise der Einheimischen, das zum Teil immer noch gesprochene Portugiesisch oder auch der liberale Umgang mit dem Alkohol. Nur allzu gut verstehen wir all die Europäer, welche hier in Benaulim überwintern. Obwohl der Massentourismus hier (zum Glück) noch nicht Einzug gehalten hat, bieten sich dem Touristen alle Annehmlichkeiten, welche er für ein unkompliziertes Leben braucht. Wir könnten uns gut vorstellen, es im Alter diesen Leuten gleich zu tun. Let’s see what life brings!

Vorerst haben wir aber noch sooo viele andere Pläne, z.B. unsere Weiterreise. Ende Januar nehmen wir das Flugzeug und reisen über die Bucht von Bengalen in die thailändische Metropole Bangkok. Die letzten drei Monate unserer Tour verbringen wir in Südostasien. Obwohl wir schon das eine oder andere geplant haben, verraten wir unser Programm natürlich noch nicht. Wie immer kann man die News von Jack Daniels on Tour an dieser Stelle nachlesen. Also schön dranbleiben - bis zum nächsten Mal!



mit dem Zug auf direktem Weg hinein...











...in eine paradiesische Welt

Frühstück im Dinha's

Spaziergang am gottverlassenen Strand

vitaminreiche Zwischenmalzeit von Mutter Natur

Seesterne begleiten uns auf dem Rückweg

der Sundowner im Rex's Place...

...mit dieser Aussicht

und schliesslich zurück in unserem Cottage


Samstag, 17. Dezember 2011

Indien - aus vergangener Zeit

Die letzten zwei Wochen haben wir Indien von einer etwas anderen Seite kennengelernt, wir waren unterwegs auf verschiedenen Pfaden, haben die Gegenwart ein wenig in den Hintergrund gestellt und uns auf Spurensuche in die Vergangenheit begeben.

Kolkata

Den meisten von euch wird diese westbengalische Stadt noch unter dem Namen Kalkutta bekannt sein. Als Folge der Unabhängigkeit zum britischen Emporium haben die Inder in den 80-er Jahren aber viele Namen gewechselt (aus Bombay wurde Mumbai, aus Madras wurde Chennai etc.). Kolkata war bis 1911 die koloniale Hauptstadt der Engländer und noch heute deutet vieles auf diese Epoche hin. So gibt es in Kolkata viele mächtige Gebäude, breite Boulevards, englische Kirchen und grosse, streng angelegte Gärten. Alles wirkt heute ein wenig abgewettert und verfallen, was dem Ganzen einen ganz besonderen Charme verleiht. Der Höhepunkt in Kolkata war für uns allerdings der Besuch im Haus der „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Hier befindet sich die letzte Ruhestätte der Ordensgründerin, Mutter Teresa. Für viele war sie der Inbegriff menschlicher Aufopferung, und mit ihrer Hingabe für die Ärmsten unter den Armen hat sie ein eindrückliches Erbe hinterlassen. Auch wenn der Orden inzwischen zu einer international tätigen Wohlfahrtorganisation expandierte, lebte Mutter Teresa selbst weiter in absoluter Einfachheit. 1979 erhielt sie den Friedensnobelpreis und im Oktober 2003 wurde sie vom Vatikan selig gesprochen – ein erster Schritt in Richtung Heiligsprechung. Der Besuch bei Mutter Teresa war sehr eindrücklich, lange haben wir die Ruhe und sakrale Stimmung in der Kapelle genossen und wir hatten tatsächlich ein wenig das Gefühl, die Präsenz von Mutter Teresa sei zu spüren – eine ganz schöne Erfahrung.

Dann haben wir schliesslich nach gut zwei Monaten Nordinien verlassen und sind weiter in die Finanz- und Filmmetropole Mumbai geflogen. Wir hatten sofort das Gefühl, in einem neuen Land angekommen zu sein. Hier gibt es sehr viel Reichtum, Banken, Hochglanzgeschäfte, alles ist viel geordneter und einfach auch ein bisschen weniger chaotisch. Da wir Mumbai schon von unserer letzten Reise her kannten, wollten wir uns nicht allzu lange hier aufhalten. So sind wir aufgezogen und haben drei ganz unterschiedliche Orte kennengelernt.

Pune

Wer erinnert sich nicht mehr an Bhagwan Shree Rajneesh, bei uns besser bekannt als der Sexguru Bhagwan. Osho, wie er sich lieber nennen liess, war einer von Indiens schillerndsten und ohne Zweifel umstrittensten „Exportgurus“. Er versuchte, den mystischen Orient weltweit zu vermarkten und wirkte zunächst in Pune. Weltweit erregte er bei vielen Empörung durch seine Ansicht, Sex sei der Weg zur Erleuchtung. Auf dem ganzen Erdenrund probierte Bhagwan mit seiner Ansicht zu missionieren, was ihm nebenbei Millionen von Dollars einbrachte. Schliesslich wurde er in den USA der illegalen Einwanderung beschuldigt und ausgewiesen. Eine endlose Reise begann, auf der Osho und seine Anhänger bei ihrer Suche nach einem neuen Hauptquartier aus 21 Ländern ausgewiesen wurden, bzw. gar nicht erst einreisen durften (z.B. auch die Schweiz). 1987 kehrte er schliesslich zu seinem Ashram in Pune zurück. Auch wenn Bhagwan heute nicht mehr lebt, kommen seine Anhänger immer noch in Scharen aus aller Herren Ländern nach Pune. Wir haben den Ashram nur von aussen gesehen, hatten aber trotzdem die Möglichkeit, durch ein Fenster ins Innere des Komplexes zu schauen. Es ist eine ganz andere Welt dort drinnen, die Leute wirkten alle in Trance, uns war beim Anblick der in Zeitlupentempo tanzenden Leute nicht so wohl, sicherlich interessant, aber bei uns hat das Ganze doch eher eine Gänsehaut ausgelöst.

Hölen von Ellora und Ajanta

Ein Besuch in den Hölen von Ellora und Ajanta (beides UNESCO Weltkulturerbe) gehört schon fast zum Pflichtprogramm eines Indienbesuches. Die Kunst des Höhlenbaus erreichte in den beiden Stätten einen historischen Höhepunkt. Sie sind echte Meisterwerke der alten indischen Felsenarchitektur und wurden fünf Jahrhunderte lang in mühseliger Arbeit von Generationen von buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Mönchen aus dem Fels geschlagen. Es entstanden Klöster, Kapellen und Tempel, welche mit einer unglaublichen Präzision bearbeitet wurden. Wenn man bedenkt, dass die ersten Höhlen vor mehr als zweitausend Jahren entstanden, bleibt einem wirklich nur Staunen und Ehrfurcht, was diese Leute vollbracht haben. Beim grössten Tempel, dem Kailash Tempel, wurden 200 000 t Gestein entfernt, alles ohne Dynamit und Kompressor, nur mit einfachsten Hilfsmitteln wie Hammer und Meissel.

Nasik

Nach rund drei Monaten Abstinenz vom Rebensaft freuten wir uns unglaublich auf die Weingüter rund um Nasik. Ja, ihr habt richtig gehört, auch Indien produziert seit noch nicht allzu langer Zeit Wein. Im bergigen Nasik, gesegnet mit fruchtbaren Böden und kühlem Klima, scheinen tatsächlich ähnliche Bedingungen zu herrschen wie in Bordeaux. Bis heute war Nasik vor allem für den Anbau von Tafeltrauben bekannt. Seit einiger Zeit probieren sich aber zunehmend mehr Produzenten mit der Herstellung von Wein, und das Resultat ist verblüffend gut. Obwohl Indien überhaupt keine Weinkultur besitzt, kredenzen die Weingüter sehr schöne Weine. Speziell zu erwähnen sind die Weissweine (Viognier, Riesling, Chenin Blanc) sowie die köstlichen Schaumweine. Mit den Rotweinen allerdings werden sie wohl noch ein paar Jahre Erfahrungen sammeln müssen, bis diese einen internationalen Standard erreichen. Zum Glück haben einige Weingüter das Geschäft mit dem Tourismus entdeckt. So waren wir bei Sula Wines auf einer Tour mit Degustation. Anschliessend liessen wir es uns auf der traumhaften Terrasse hoch über dem Rebberg mit indischem Wein und Häppchen gutgehen, wir fühlten uns wie irgendwo, aber sicher nicht wie in Indien.

Und so ist die Reiserei in Indien für uns schon bald Geschichte. In ein paar Tagen fahren wir mit dem Zug nach Goa und werden uns einen Monat von der nicht ganz so einfachen Indientour erholen. Es erwartet uns ein traumhafter und ziemlich verlassener Strand, ein kleines und gemütliches Hotel inmitten eines Palmenhains, guten Seafood und etwas Ruhe. Da die Mehrheit der Leute in Goa Christen sind, wird natürlich auch ausgiebig Weihnachten gefeiert, was wollen wir also mehr. In diesem Sinne wünschen wir euch allen ein ganz schönes Weihnachtsfest, geniesst es!



ein Erbe der Briten, die (verrostete) Strassenbahn von Kolkata

fast wie in Cambridge, die St. Paul's Cathedral

ein ganz besonderer Ort, die letzte Ruhestätte von Mutter Teresa

die imposante Skyline von Mumbai

eine andächtige Stimmung in den Höhlen von Ellora
einfach unglaublich, alles aus dem Fels gehauen (ausser die Figur im Vordergrund)

der erste Wein seit drei Monaten, und er schmeckte vorzüglich

ein Prosit auf alle zu Huse - SCHÖNE WEIHNACHTEN!

Dienstag, 6. Dezember 2011

Indien - Leben und Tod


Viele Stunden mit unzähligen Kilometern haben wir im Zug verbracht und sind vor ein paar Tagen in der westbengalischen Stadt Kolkata (ehemals Kalkutta) angekommen. Wieder einmal überlegen wir uns, wie wir das Erlebte zu Papier bringen sollen. Die Eindrücke sind dermassen tief, die Gegensätze extrem krass und vieles erscheint uns fast surreal. So beschränken wir uns diesmal auf ein Thema, welches uns beschäftigt und mit dem wir uns fast tagtäglich auseinanderzusetzen haben.

Leben und Tod sind in Indien allgegenwärtig. Wir sehen Menschen vor sich hinvegetieren, was sie von ihrem Leben noch übrig haben, ist unwürdig, es kümmert sich niemand um sie, es hat zu viele Menschen, jeder hat mit sich selbst zu kämpfen. Wir sehen Leute auf der Strasse sterben, es ist absehbar, dass ihnen ihre letzte Stunde geschlagen hat, auf dem Weg in eine (vielleicht) bessere Welt werden sie von niemandem begleitet, alle haben wichtigeres zu tun, bei vielen geht es ebenfalls ums Überleben. Vor unseren Augen verenden Tiere, vor lauter Krankheiten sehen sie aus wie Monster, sie werden von Fahrzeugen überfahren, dies kümmert niemand, die Kadaver lässt man einfach liegen. Wir werden Zeugen, wie Menschen tot auf der Strasse liegen, sie werden in Tücher gewickelt und mit dem Traktor abtransportiert, als wäre es die normalste Sache der Welt.

Die eindrücklichsten Erlebnisse hatten wir aber in Varanasi (ehemals Benares). Willkommen in einem der blendend buntesten, unerbittlich chaotischsten und gnadenlos irrationalsten Orte der Welt. Die Stadt gehört zu den ältesten ununterbrochen besiedeltsten Städten unseres Planeten und zählt zu den heiligsten Orten Indiens. Hinduistische Pilger strömen an die Ghats, die das Ufer des Ganges überziehen, um sich in dem heiligen Wasser von ihren Sünden reinzuwaschen oder um die Leichen ihrer Angehörigen einzuäschern. Die Toten werden singend auf Bahren durch die engen Gassen der Altstadt getragen bis der Leichenzug das Ufers des Ganges erreicht hat. Der Körper wird in den „heiligen“ Fluss getunkt und anschliessend auf den bereits vorbereiteten Scheiterhaufen gelegt. Das Feuer wird entfacht und die sterblichen Überreste werden verbrannt, bis am Schluss die gesamte Asche in den Fluss gestreut wird. Alles geschieht unmittelbar vor den Augen der Anwesenden, man sieht alles, wirklich alles – man riecht alles, wirklich alles. Die intimsten Rituale von Leben und Tod finden hier in aller Öffentlichkeit statt. Varanasi ist nichts für Zartbesaitete, auch uns sind diese Momente ziemlich eingefahren. Wer sich aber wie wir auf die Stadt einlässt, erlebt wohl die magischsten und eindrücklichsten Momente seines Lebens.

In Indien gehört die Vergänglichkeit des Seins zum Alltag. Wie offen und selbstverständlich die Leute damit umgehen, beeindruckt uns zu tiefst, es gibt keine Tabus, der Tod gehört zum Leben, das Leben zum Tod. Jeder akzeptiert sein Karma und schaut seinem Schicksal tief in die Augen, der hinduistische Glauben an die Reinkarnation (Wiedergeburt) sowie das (offiziell abgeschaffte!) Kastensystem tragen das seinige dazu bei. Im nächsten Leben wir alles anders.

Viele solcher Bilder erleben wir nur deshalb so intensiv, weil wir in den Städten nicht wie viele andere Touristen mit Bus, Rikscha oder Taxi unterwegs sind, sondern uns mehrere Stunden zu Fuss durch das chaotische und lärmende Strassengewirr bewegen. Wir sind mittendrin, wir gehören quasi dazu, wir fühlen den Puls des Lebens.

Immer wieder ringen wir um Worte, wenn wir über dieses Land berichten möchten. Gelingen wird es uns wohl nie, Indien kann man nicht beschreiben, Indien muss man erleben. Der Autor unseres Reiseführers schreibt, dass Indien wohl zu einem der am schwierigsten zu bereisenden Länder gehört, wir können dem nur beipflichten. Es wird einem alles abverlangt, der Gegenwert allerdings ist unermesslich, er ist unbezahlbar.


die verwinkelten Gassen von Varanasi

hier hat es Platz für alle Gestalten

die einen baden als religiöses Ritual...

...andere wiederum baden, um sich zu reinigen

...oder sie benutzen den Fluss um Kleider zu waschen

der Ganges muss für alles hinhalten

für uns kommt da eine Kaffeepause gerade gelegen