Unsere grosse Reise

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Switzerland
Jacqueline wurde im vergangenen Jahr 40 Jahre alt und Dani konnte den selben Geburtstag dieses Jahr feiern. Wir beide sind seit 10 Jahren verheiratet und kennen uns seit über 20 Jahren. Für uns liefern bereits schon diese Fakten genug Gründe, um ein neues grosses "Midlife"-Abenteuer in Angriff zu nehmen. Das ganze geschmackvoll angereichert mit unserem chronischen Fernweh ergibt nun im Endergebnis eine Reise, von welcher wir noch nicht genau wissen, wohin sie uns im Detail führt, wie lange sie dauert und was genau auf uns zukommen wird. Mit diesem Blog möchten wir euch ein bisschen Anteil an unserem Trip haben lassen und euch aus unserer Optik berichten, was wir in der grossen weiten Welt erleben und was gerade so abläuft. Wir danken euch schon heute für eurer Interesse und wünschen euch viel Spass im Seitenwagen von Jack Daniels.
"Der Gewinn eines langen Aufenthaltes ausserhalb unseres Landes liegt vielleicht weniger in dem, was wir über fremde Länder erfahren, sondern in dem, was wir dabei über uns selbst lernen."

Roger Peyrefitte (*1907), frz. Schriftsteller und Politiker

Samstag, 26. November 2011

Indien - eine Bahnfart

Die Wartezeit am Bahnhof ist spannend, kommt der Zug, wann kommt er, sind unsere Plätze wirklich reserviert? Und plötzlich fährt ganz langsam und gemächlich eine hupende Diesellokomotive mit mindestens 50 Wagen ein. Ziemlich pünktlich, man könnte fast die Uhr nach der Indian Railway stellen. Nachdem wir endlich den richtigen Wagen gefunden haben, probieren wir uns mit vollem Einsatz in das Innere zu zwängen, nicht ganz so einfach, es hat Leute ohne Ende und alle wollen das Gleiche wie wir. Endlich bei unseren Plätzen angekommen, stellen wir fest, dass sich bereits schon jemand anders auf den Sitzen gemütlich eingerichtet hat. Kein Problem, die Regel Nummer eins beim Zugfahren in Indien lautet: Dein Platz ist immer besetzt, setz dich an einen anderen Ort. Da sich alle an diesen Grundsatz zu halten scheinen, sitzen am Schluss tatsächlich auch alle, irgendwie, irgendwo. Ganz langsam setzt sich das kolossale Vehikel in Bewegung, die letzten Personen steigen auf, die Reise kann beginnen. Es dauert nur wenige Augenblicke, bis die ersten Chai-Verkäufer mit ihren sonoren Stimmen die Passagiere zum Kauf des indischen Nationalgetränks animieren, ein Rufen, dass sich über die ganze Reise fortsetzt. Wir sind die einzigen Touristen, die einzigen Weissen, von überall her begegnen uns dunkle Gesichter, neugierige Augen, hie und da ein verlegenes Lachen. Wir können ihre Sprache nicht verstehen, sie unsere nicht, und doch heissen sie uns in ihrer Gesellschaft sofort willkommen. Toleranz gegenüber Fremden ist für sie kein Fremdwort, man muss nicht die gleiche Sprache sprechen, um miteinander zu kommunizieren. Die Fenster sind geöffnet, der angenehm warme Wind bläst uns ins Gesicht, eine unglaublich schöne Landschaft zieht an uns vorbei, wir fühlen uns frei. Dann ein Halt am Bahnhof im Nirgendwo, den Ort finden wir nicht auf der Landkarte. Das ältere und äusserst sympathische Ehepaar neben uns hat ihr Ziel erreicht, wohin sie der Weg wohl führen mag? Auch sie haben uns, wie bereits so viele vor ihnen, auf unserer langen Reise begleitet, wenn auch nur für einen ganz kurzen Augenblick. Die Begegnung war für uns eine Bereicherung, das herzliche Lachen dieser Frau packen wir als Souvenir ein. Der Zug setzt sich wieder schleichend in Bewegung, die Bilder an den Geleisen sind schockierend und faszinierend zugleich. Leute verrichten kauernd ihr Geschäft, das Rollmaterial dient ihnen als Toilette, die Sonne reflektiert das Licht in den frisch gewaschenen und bunten Gewänder, Blechhütten und primitivste Zelte flankieren die Bahnhofsausfahrt, Kinder lachen, schreien und spielen auf dem vom Dreck und Abfall überhäuften Vorplatz. Was erwartet das Leben von ihnen, was erwarten sie vom Leben? Sie gehen wohl eher einer unsicheren Zukunft entgegen. Und bald schon rast der Zug wieder mit Hochgeschwindigkeit inmitten üppiger Landwirtschaft. Frauen und Männer bestellen ihre Felder mit Ochsen und Wagen, fast wie zu Gotthelfs Zeiten. Die Sonne sinkt langsam dem Horizont entgegen, ihre Kraft lässt nach, die Farbe hat sich in ein sattes Orange verwandelt, der Tag neigt sich seinem Ende zu und somit auch unsere Bahnfahrt. Mit nun doch grösserer Verspätung treffen wir an unserem Endpunkt ein und steigen aus. Die anderen Passagiere aus unserem Abteil bleiben sitzen. Noch einmal schauen wir zurück, der Zug rollt wieder an, er ist noch lange nicht am Ziel. Wohin führt wohl der Weg für die freundliche Familie aus dem Wagen S7? Es war schön, dass wir sie auf ihrer Reise begleiten durften, wenn auch nur für einen ganz kurzen Augenblick.
Zug fahren in Indien ist nicht einfach von A nach B zu gelangen, es ist Kultur, es ist ein Ort der Begegnung, es ist eine Philosophie, es gibt nichts Vergleichbares.

emsiges Treiben am Bahnhof...

...farbenfrohe Bilder kurz nach der Abfahrt...

...und die Welt zieht einfach an uns vorbei

die Beiden haben es uns angetan...

...und die Attraktion im Zug sind eindeutig wir

Donnerstag, 17. November 2011

Indien - Episoden

Die vergangenen zwölf Tage waren wir im Bundesstaat Rajasthan, was übersetzt „Land der Könige“ heisst, unterwegs. Am besten und bequemsten ist es, diese Gegend mit dem eigenen Fahrzeug zu erkunden. Da aber nur die Wagemutigsten hier selber rumkurven, ist es in Indien üblich, dass man beim Mieten eines Fahrzeuges auch gleich einen Fahrer dazu nimmt (Kostenpunkt Fr. 35.--/Tag, alles inklusive). So haben wir uns diesen Luxus gegönnt und sind losgezogen. Ja und was haben wir nicht alles gesehen.

Ein Höhepunkt war sicherlich die Kamelschau in Pushkar. Immer im Kartika, dem achten Mond-Monat im Hindu-Kalender schniegeln und striegeln die Kameltreiber ihre Wüstenschiffe und machen sich auf den langen Marsch Richtung Pushkar. Jedes Jahr versammeln sich hier ca. 200‘000 Menschen und rund 50‘000 Kamele. Der Ort verwandelt sich in einen aussergewöhnlichen Wirbel aus Farben, Geräuschen und Bewegung, überschwemmt von Musikern und Mystikern, Touristen und Tieren, Händlern und Heiligen. Es war sagenhaft, diesem Schauspiel beizuwohnen.
Ein anderes Highlight war das unglaublich imposante Fort von Jodhpur. In dieser gewaltigen Festung liessen es sich die Maharadschas in der Vergangenheit so richtig gut gehen. Es ist einfach unglaublich, in welchem Prunk und Überfluss diese Herrscher damals gelebt haben. Das Fort ist übrigens derart bekannt, dass auch Hollywood darauf aufmerksam wurde. In den vergangen Monaten wurden hier Szenen zum neusten Batman-Streifen gedreht.
Und noch weiter westlich sind wir dann definitiv in der Wüste Thar gelandet. In Jaisalmer war es nicht mehr so hektisch und chaotisch, alles lief etwas langsamer und geruhsamer ab, dies ist  bestimmt auch auf die enorme und trockene Hitze zurückzuführen. Aus dieser Umgebung von tausend und einer Nacht bleiben uns zwei spezielle Erlebnisse in bester Erinnerung. Als erstes feierten wir mit Indischem Whiskey und Pepsi unseren elften Hochzeitstag und ritten dann tags darauf hoch zu Kamel über die herrlichen Sanddünen in den Sonnenuntergang, wie romantisch, nicht?
Eigentlich könnten wir über Rajasthan noch viel mehr schreiben, über Orte, über Sehenswürdigkeiten etc. Wir glauben aber, dass euch gewisse Randnotizen ebenso interessieren, und berichten deshalb lieber auch ein wenig darüber, was wir sonst noch alles in Indien erleben.
Wir stehen am Ticketschalter fürs Museum. Die Tickets kosten 150 Rupien (ca. Fr. 3.--) und wir bezahlen mit zwei Hundertrupiennoten. Der freundliche Angestellte fragt uns: „ no change sir (kein Kleingeld)?“ Wir antworten mit:“ No, we have no change“, worauf uns der nette Herr die beiden Hunderternoten wieder zurückgibt. Noch immer freundlich erklärt er uns: „no change, no tickets!“ und verweist uns an den nächsten Schalter wo bereits eine lange Schlange ansteht. Zu erwähnen sei hier noch, dass der Herr im Schalterhäuschen Nr. 1 etwa zwanzig Fünfzigernoten als Wechselgeld in seiner Kasse gehabt hätte. Es war ihm vielleicht heute einfach nicht so „drum“. Auch das ist Indien! 
Wir essen gut und genug und verlangen nach dem leckeren Mahl die Rechnung. Bevor wir diese richtig prüfen können, sagt uns der Kellner ganz verlegen, dass er gerade sehe, dass etwas nicht aufgeführt sei. Er rechnet das vergessene Gericht kurz im Kopf zum bereits fakturierten Betrag dazu und informiert uns über die neue Gesamtsumme. Der gute Mann vermeidet es natürlich, die Rechnung abzuändern, vergessen denn neu zu schreiben. Wir denken uns nicht viel dabei und bezahlen. Als dieses Spiel auch in anderen Restaurants immer wieder gleich abläuft, kommen wir dem Ganzen langsam auf die Schliche. Die Kellner haben sich hier einen lukrativen Nebenverdienst eingerichtet. Auch das ist Indien! 
Morgens um acht, wir stehen auf und geniessen die angenehme Kühle der Klimaanlage. Und auf  einmal „black out“. Der Strom ist ausgefallen. Na gut, das weiss man ja eigentlich von Indien. Es dauert ganze drei Stunden, bis die Elektrizität zurückkehrt. Am anderen Morgen stehen wir um acht Uhr auf und wieder Stromausfall. Am dritten Morgen um acht…richtig, kein Strom. Als wir an der Reception (wir sehen die dunkelhäutigen Angestellten kaum im ebenfalls stromlosen Büro) mal nachfragen, sagt man uns mit einem freundlichen und netten Grinsen und mit absolulter Selbstverständlichkeit, dass Aufgrund der Stromknappheit in dieser Stadt jeden Morgen für drei Stunden der „Pfuus“  abgestellt würde!“ Auch das ist Indien! 
Wir laufen durch die verstopften und schmutzigen Strassen, zu den Menschen und Hunden gesellen sich hunderte von Kühen. Es erübrigt sich wohl zu erwähnen, dass es von Vorteil ist, wenn man genau auf die Strasse schaut, bevor man jeweils den nächsten Schritt macht. Die Konsistenz der indischen  Alpenpizza ist nämlich ziemlich hässlich. Kein Wunder bei dem, was die Kühe alles so fressen: Bananenschale, Zuckerrohr, Besen, Karton, Erde, Papier etc. Zu guter Letzt geben diese Viecher auch noch Milch. Da trinken wir doch lieber einen guten Schwarztee. Auch das ist Indien! 
Apropos Schwarztee, Balmers beim Frühstück. Wir studieren die Menükarte und sehen, dass eine Tasse Tee 10 Rupien kostet und ein Krug 50 Rupien. Als Schweizer rechnen wir natürlich ganz genau durch und bestellen den Krug, da kriegt man bestimmt mehr fürs Geld. Als uns der Kellner dann ein kleines “Chrüegli“ des schwarzen Getränks bringt, sind wir leicht konsterniert. In diesem Gefäss befinden sich nicht mehr als zwei Tassen, es kostet aber mehr als doppelt so viel, als wenn wir einzelne Tassen bestellt hätten. In unseren Augen macht das absolut keinen Sinn und wir fühlen uns leicht über den Tisch gezogen. Auf unsere Reklamation geht der Kellner nicht gross ein. Auch er gibt uns seine Antwort mit einem verschmitzten Lächeln: Das nächste Mal sollen wir doch vorher fragen, wie viele Tassen im Krug seien. Auch das ist Indien!
Und so gäbe es auch in dieser Hinsicht noch viel mehr zu erzählen, tagtäglich erleben wir solche oder ähnliche Situationen. Kunst ist es, locker damit umzugehen und ebenfalls nur darüber zu lachen. Aber unter uns gesagt, manchmal braucht es schon auch Nerven wie Drahtseil oder eine gewaltige Portion Geduld. Auch das ist Indien!

NACHTRAG: Puhhhhhhh, geschaft. Diese Internetverbindungen hier bringen einem fast zur Verzweiflung. Ganze vier Stunden haben wir nun für diesen Eintrag gebraucht, die Übertragungsrate ist soooo was von langsam und wenn es dann einmal läuft, fällt bestimmt wieder der Strom aus:-(

diese Lady hat sich aber ganz schön zuercht gemacht...

...und ihre Besitzer ebenfalls

Grössenwahnsinn pur bei den Maharadschas

eine indische Alpweide
Prost auf elf Jahre Krieg!

Dani Baba und die vierzig Räuber

die Brass Band Hinterindien stellt sich in Pose

mhhh, gudi gudi feini feini

hier noch etwas zum Thema Weihnachten

Sonntag, 30. Oktober 2011

Indien - erste Eindrücke

Wir reisen nach Indien und kennen dieses Land zum Glück schon etwas, dachten wir. Nun, bereits in den ersten Tagen mussten wir uns eingestehen, Indien kann man wohl nie richtig kennen. Das smoggeschwängerte Delhi hat uns voll in seinen Bann gezogen, es verlangt einem alles ab, es ist ein Angriff auf sämtliche Sinne, Indien fordert. Wir erhalten jedoch ein vielfaches zurück. In den schmuddeligen und diffusen Gassen der Altstadt riecht es nach herrlichen Currys, nach Urin, nach inspirierenden Räucherstäbchen, nach verdorbenem Fleisch...Autos, Motorrad- und Fahrradrichkas hupen, hupen, hupen und schlängeln sich tollkün durch die immense Menschenmasse, Leute feilschen, lachen, beobachten, alles ist in Bewegung, eine grosse Hektik, und doch scheint das Ganze irgendwie zu funktionieren. In den Strassengräben und auf Gehsteigen liegen Leute, haben kaum noch Kraft vor lauter Hunger, das Ende scheint ihnen so nah, leben sie überhaupt noch? Ein paar hundert Meter daneben sonnt sich die Upper Class von Delhi bei einem Latte Macchiato, kauft den neusten Laufschuh von Adidas oder leistet sich noch schnell eine Rolex, denn beim aus dem Boden gestampften Formel 1 Rennen am Sonntag will man ja gut aussehen...völlig dekadent! Es braucht eine dicke Haut, um das alles einzuordnen, vergessen denn zu verstehen. Und trotzdem kann man nicht einfach wegschauen, 1/6 der Weltbevölkerung lebt in diesem Land, sie alle gehören ebenso zu unserer Welt, wie die glamouröse und vom Wohlstand geprägte Gesellschaft des Westens.

Delhi hat aber auch noch ein ganz anderes Gesicht. Protzige und eindrückliche Bauten aus vergangener Zeit zieren die breiten Alleen von New Delhi. Grabmäler und riesige Forts zeugen von Überfluss und Macht der Grossmogule und Maharadschas und schliesslich erinnern diverse Museen, Strassen und Gedenkstätten an Indiens wohl berühmtesten Sohn, Mahatma Gandhi.

Alles in allem war der fünftägie Aufenthalt in Indiens Hauptstadt herausfordernd und eine Bereicherung zugleich. Wir glauben, jetzt sind wir so richtig parat, um weitere Eindrücke in uns aufzunehmen. Eigentlich könnte der Werbeslogan von Indian Tourismus treffender nicht sein:

"Incredible India!"

diese ÖV's unterscheiden sich leicht von unseren

..........

die einen haben einen Hund an der Leine, andere wiederum...

an dieser Stätte wurden die sterblichen Überreste von Mahatma Gandhi eingeäschert

Fotoshootings mit einer westlichen Person sind bei den Indern ganz hoch im Kurs

und wohlverstanden, hier handelt es sich um ein Grabmal

gekocht wird in Indien ohne Übertreibung an jeder Ecke



Sonntag, 23. Oktober 2011

Nepal - in eisigen Höhen

Lange haben wir darauf hin gefiebert, die Vorfreude war immens, intensiv war unsere Vorbereitung, doch ungewiss das, was die nächsten zwei Wochen auf uns zukommen würde. Das grosse Unterfangen „Annapurna-Umrundung“ war zum Fassen nah.

Mit der Gruppe, bestehend aus Dänen, Spanier und Australier, sowie einer fünfköpfigen Crew startete unser Unterfangen auf gerade mal 850 M.ü.M, inmitten üppiger Tropenvegetation. Die Luft war feucht, die Temperaturen hoch und vor uns lagen vierzehn Trekkingtage mit rund 5‘000 Höhenmeter. Die Tagesabläufe ähnelten sich und wichen kaum voneinander ab. Nach dem Frühstück wurden die Rucksäcke gepackt, die Wanderschuhe angezogen und los ging’s. Der Pfad führte uns in regelmässigen Abständen durch sehr einfache, doch von grosser Idylle geprägter Dörfer. Die Leute hier haben ein hartes Leben, im Sommer peitscht ihnen der Monsunregen um die Ohren, im Winter kämpfen sie gegen die klirrende Kälte und materiell stehen sie wohl so etwa am Anfang des letzten Jahrhunderts. Sanitäre Anlagen sind Mangelware und gegessen wird nur Reis und Gemüse…den ganzen Tag, jeden Tag! Und doch scheinen sie so zufrieden, man kann es in ihren Augen lesen, man entnimmt es an ihrem herzlichen Lachen, sie haben sich mit dieser Umgebung arrangiert, in Sachen Problemlösung sind sie grosse Vorbilder. Den Treckern bieten sie höchstmöglichen Komfort, was vier dünnen Holzwänden, zwei harten Pritschen, einem gemeinsamen Open-Air Plumpsklo (Tschinggeschiise) sowie einer kalten Dusche entspricht…wohlverstanden für jeweils etwa 30 Personen pro Unterkunft. Unsere Ansprüche wurden auf ein Minimum zurückgestuft und es ging trotzdem. Geschlafen und gegessen haben wir immer sehr gut, was will man eigentlich mehr. Die Landschaft ist enorm vielseitig, sie verändert sich tagtäglich und fast mit jedem Höhenmeter. Nach einer Woche hatten wir inmitten gischender Wasserfälle und Pinienwäldern sogar ein wenig Heimatgefühle. Und über all dieser herrlichen Landschaft thronen die gigantischen Achtausender des Himalaya-Gebirges. Unsere Emotionen sind überwältigend, umso schwerer fällt es uns, diese Eindrücke in Worte zu fassen. Als wäre das alles noch nicht genug, wirkt eine unglaublich spirituelle Kraft auf uns, welche als zusätzlicher Energielieferant dient. Seien es die an jedem Dorfeingang stehenden Gebetsmühlen, die im Winde wehenden Gebetsfahnen, die gesungenen Mantras der Mönche oder der allgegenwärtige Geruch von Räucherstäbchen. Das hier ist wahrlich eine ganz andere Welt.
Mit jedem Höhenmeter wurde aber auch die Luft dünner und dünner, die Schritte langsamer und der Schlaf nicht mehr ganz so tief. Ab 4‘000 M.ü.M mussten wir Ruhetage einbauen, Akklimatisation auf dieser Höhe ist lebenswichtig. Das sieht in etwa so aus, dass man vom Dorf aus über eine Wiese voller Yaks soweit auf einen Berg wandert, bis man die Höhe der nächsten Etappe erreicht hat, kurz ein paar Fotos schiesst und sich wieder auf den Abstieg ins Dorf macht.
Und dann machen wir uns am letzten Tag um 05.00 Uhr schliesslich auf die Socken, um den grossen Aufstieg zum Thorong-La Pass in Angriff zu nehmen. Es stehen die letzten tausend Höhenmeter vor uns, es geht langsam voran, das Herz pumpt mit Hochdruck, der Atem fällt schwer, die Temperaturen sind bitterkalt, die majestätischen Gipfel werden von den ersten Sonnenstrahlen angeschienen, einfach Wahnsinn! Und dann haben wir unser Ziel auf 5‘416 M.ü.M erreicht. Die Gefühle sind umwerfend, der morgendliche Ausblick auf Gletscher, Fels und sattblauen Himmel verschlägt einem gänzlich die Sprache…und wer jetzt glaubt, das wäre es gewesen, irrt sich. Der Abstieg vom Pass führt uns direkt ins sagenumwogene und geheimnisvolle Königsreich Mustang, als Schlussfeuerwerk erhebt sich vor uns der Dhaulagiri; mit seinen 8'167 M.ü.M. ist er der siebthöchste Berg der Welt.
Man soll mit Superlativen immer etwas vorsichtig umgehen, dessen sind wir uns voll bewusst. Wenn wir aber sagen, dass dieser Trek zu den drei schönsten Erlebnissen in unserem ganzen Lebens zählt, übertreiben wir wohl kaum. Zum Glück hatten wir an den Gestaden des Sees im wunderschönen Bergstädtchen Pokhara, und nun auch noch einmal hier in Kathmandu die Gelegenheit, das alles richtig einzuordnen und zu verarbeiten. Es war wirklich eine einmalige Zeit, wir kommen garantiert wieder, unser Fokus richtet sich nun auf Indien.


angefangen hat alles inmitten sattgrüner Reisfelder, ...

...ging weiter durch schmucke Bergdörfer...

...und vorbei an meditativen Gebetsmühlen

tosende Wasserfälle leisteten uns regelmässig Gesellschaft

unsere international zusammegewürfelte Gruppe vor einem Kloster

faszinierender Ausblick auf den Manaslu (8'163 M.ü.M)

auf den Spuren unseres Porters (man beachte seine Schuhe!)

Gebetsfahnen, wohin man schaut...

...und eine besinnliche Morgenstimmung auf dem Lande

die riesigen Yaks sind ziemlich furchteinflössend

Akklimatisieren vor dem grossen Aufstieg ist das A und O

das langersehnte Ziel auf 5'416 M.ü.M ist erreicht

mit einem umwerfenden Blick auf den Dhaulagiri (8'167 M.ü.M)...

...und hinein ins Königsreich Mustang

geschafft, die Annapurna-Kette ist umrundet

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Nepal - der Berg ruft

Ein letztes Fondue auf der Fröscherli-Terasse und schon mussten wir einmal mehr Abschied nehmen von unseren Leuten in der Schweiz. Auch diesmal beschlich uns ein etwas mulmiges Gefühl, den Rucksack zu packen und einfach wieder davon zu ziehen. Zu schön waren die Momente mit unseren Freunden und der Familie, zu imposant waren die traumhaften Herbsttage in den Bergen. Aber Abschied nehmen heisst auch aufzubrechen zu neuen Ufern, ist es vielleicht nicht eines der Geheimisse, welches das Fernweh ausmacht? Bereits schon im Flugzeug Richtung Asien waren solche Gedanken weit verflogen.

Nach einem Zwischenhalt in der Indischen Hauptstadt Delhi flogen wir schnurstracks nach Kathmandu. Auf den ersten Blick scheint alles ein bisschen chaotisch und schmuddelig, Asien eben. Beim genaueren Hinschauen entdecken wir aber ziemlich schnell die Herzlichkeit der Menschen, die energiegeladene Atmosphäre, die wunderbaren Gerüche, die spirituellen Zeremonien, Asien eben. Kathmandu hat uns von der ersten Minute an in seinen Bann gezogen, wir können uns hier gut anklimatisieren und letzte Vorbereitungen für das bevorstehende Trekking treffen. Zum Glück haben wir gutes Material aus der Schweiz mitgebracht, mit den hier verkauften koreanischen Fälschungen von Mammut, The North Face und Deuter wären wir auf 5'000 M.ü.M wahrscheinlich auf verlorenem Posten. Trotzdem haben wir uns das eine oder andere Schnäppchen dazugekauft. In Asien staunen wir immer wieder, wie gigantisch die Preisunterschiede zu Europa sind. Nun, uns soll es recht sein.
Ab Donnerstag werden wir dann zwei Wochen rund um den Annapurna unterwegs sein. Mit dem Himalaja geht für uns ein grosser Traum in Erfüllung, wir freuen uns extrem, endlich einmal die Achttausender auf dem Dach der Welt zu sehen. So verabschieden wir uns vorerst von der Zivilisation und freuen uns, euch demnächst unsere Eindrücke und Erlebnisse schildern zu können.

die "Henkersmahlzeit" im Entlebuch

was würde die CKW wohl zu diesem Kabelsalat sagen

wir haben ziemlich schnell neue Freunde gefunden

Wind, Sonne und Freiheit

Freitag, 9. September 2011

Schweiz - Fondue und Berge

Seit vier Wochen sind wir nun schon wieder in der Schweiz, wie schnell doch die Zeit vergeht. Die ersten beiden Wochen waren streng aber wunderbar. Wir haben viele liebe Leute aus unserem Familien- und Freundeskreis getroffen, zusammen geplaudert, erzählt, gut gegessen und getrunken. Daneben fanden wir auch genügend Zeit, um uns gut in der Heimat anzuklimatisieren, wir hatten ja Wetter wie die Götter. So machten wir denn auch ziemlich schnell die Wanderwege in der Zentralschweiz unsicher.

Nach diesen zwei Wochen waren wir aber nicht unglücklich, dass wir uns wieder ein bisschen zurückziehen konnten. Wir packten unsere sieben Sachen und verreisten für vierzehn Tage nach Obergesteln (VS). Jedesmal, wenn wir im Goms ein paar Tage verbringen, haben wir das Gefühl, dort oben sei die Zeit stehen geblieben. Alles geht ein bisschen gemächlicher, man hat es nicht so eilig und schliesslich ist ja morgen auch noch ein Tag. Geradezu ideal, um einen geruhsamen Urlaub zu verbringen. Aber wer spricht denn hier von ruhen. Wer uns beide kennt, weiss wohl nur allzu gut, was das grosse Thema im Wallis war. Richtig, wandern, wandern und noch einmal wandern. Es verging kein Tag ohne vier- bis sechstündige Wanderung. Rottenweg, Sidelhorn, Gomer Höhenweg, Brudelhorn, Jostsee, Bettmerhorn um nur ein paar zu nennen. Wunderschön war es und die unzähligen Kilometer dienten zudem als ideales Training für die bevorstehende Annapurna Umrundung in Nepal. Ein ganz spezielles Highlight erlebten wir im Goms mit dem Besuch des Sepp Blatter Fussballturniers. Der FIFA-Präsident ist Ehrenbürger von Ulrichen und seine Stiftung organisiert jeweils Ende August ein Fussballturnier. An diesem Sonntag wimmelte es in der 220-Seelen-Gemeinde nur so von Promis: Günter Netzer, Kubi, Gilbert Gress, Andy Egli, Fritz Künzli, Christian Gimenez, Georges Bregy etc. gaben sich im Obergoms ein Stelldichein, das war vielleicht eine Gaudi.

Inzwischen sind wir wieder im schönen Entlebuch und hoffen auf einen goldigen Herbstbeginn. Gerne möchten wir noch den einen oder anderen "Hoger" besteigen. Daneben muss jetzt aber auch genügend Zeit bleiben, um die bevorstehende (zweite) Reise vorzubereiten. Die Visas für Indien und Nepal haben wir schon, es geht nun darum, unsere Reiseausrüstung auf Vordermann zu bringen und uns einen groben Reiseablauf fürs kommende Halbjahr zu skizzieren. Schon bald heisst es nämlich wieder Abschied zu nehmen. Am 2. Oktober hebt die SWISS Maschine mit Destination Kathmandu (Nepal) ab und wir werden mit an Bord sein. Es geht also bald weiter, wir sind "gwunderig", was auf uns zukommt und lassen es euch regelmässig wissen.

malerische Idylle auf dem Chrüzlipass

das Chalet "Leginen" in Obergesteln

viel Prominenz am Sepp Blatter Fussballturnier - z.B. Daniel Balmer rechts im Bild :-)

fast schon andächtige Stimmung beim Grossen Aletschgletscher

geschafft!!! wir haben den steilen Aufstieg zum Brudelhorn bewältigt...

...und geniessen die Szenerie vor dem Berg aller Berge

Dienstag, 9. August 2011

Mauritius - Erholung pur

Mauritius, inmitten des Indischen Ozeans, ist wahrlich eine Perle zum Seele und Herz baumeln lassen. Die vergangenen neun Monate waren oft anstrengend, so wollten wir uns vor der Heimreise noch etwas Erholung gönnen. Gemacht haben wir eigentlich nicht viel. Aufstehen, eine Stunde "zmörgele", zwei Stunden lesen, drei Stunden walking, eine Stunde Fitness, Apero, Nachtessen...und schwups war der Tag vorbei - und jeden Tag der gleiche Ablauf. Nach allem was wir erlebt hatten, war dieses Programm ziemlich easy, man konnte den Kopf mal abschalten, es hat gut getan. Wir haben uns über ein deutsches Reisebüro ein wunderschönes Pauschalhotel gebucht (dem tiefen €-Kurs sei Dank) und dabei diesen, für uns doch eher aussergwöhnlichen Luxus genossen.

Einmal geht aber alles zu Ende, das galt selbstverständlich auch für uns. Via Johannesburg sind wir am vergangenen Montag definitv nach Hause geflogen und haben nach neun Monaten und acht Tagen, nach vier Kontinenten und unzähligen Flug- und Landmeilen erstmals wieder helvetischen Boden betreten. Die Vorfreude auf unsere lieben Leute und auf die Vorzüge der Schweiz war sehr gross, das Gefühl dann aber schon etwas kommisch, als uns der Zöllner am Flughafen mit einem zürcherischen "Grüezi" nach unseren roten Pässen fragte. Dann ging die Tür zum Epfangsbereich auf und...welch eine Freude. Chrigu, Monika, unsere Nichte Lili, Sandra, Regina, Martha und Anna haben uns einen bombastischen Empfang bereitet, das war ein Nachhausekommen sagen wir euch.

Uns so sind wir nun wieder für einige Zeit in der Schweiz. Wir freuen uns auf die kommenden acht Wochen mit viel Wandern, Freunde besuchen und Vorbereiten auf den zweiten Trip. Es muss noch einiges gemacht werden, bevor wir Anfangs Oktober erneut Richtung Osten abheben. Wir werden unsere Eindrücke in der Schweiz und das anschliessende Asienhalbjahr weiterhin auf diesem Blog festhalten...also auch für euch geht die Reise weiter.

die Umgebung bietet sich förmlich an, einfach nichts zu tun

Strände wie aus einer Bacardi-Werbung

der Zimmerboy hat jeden Morgen das volle Programm gegeben

unser Abschlussdrink - Prost auf die "erste" Reise

...dann ging die Sonne das letzte Mal unter

grosser Bahnhof am Flughafen

...und ein weiters überraschendes Empfangskommite